Tausend Teufel

Autor: Frank Goldammer
Genre: Krimi
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26170-8
Erscheinungsdatum (D) 13.10.17 Seiten 365

Tausend Teufel

Inhalt

Im Jahr 1947, dem zweiten Jahr nach Kriegsende, gehört Dresden zur sowjetischen Besatzungszone und befindet sich fest in der Hand des russischen Militärs. Die furchtbaren Kriegswunden, die die Stadt davon getragen hat, sind nach wie vor unverändert da und machen aus Dresden eine regelrechte Trümmerwüste. Die Bevölkerung leidet unter der Lebensmittelknappheit, und jetzt, im bitterkalten Winter, fehlt es an allem, was das Leben einigermaßen erträglich machen würde. Zahllose Menschen sind auf Wohnungssuche, in jeder wettergeschützten Ecke suchen Flüchtlinge nach Schutz und unzählige Kriegswaisen kämpfen ums nackte Überleben.

Oberkommissar Max Heller und seine Frau Karin sind sich bewusst, welch großes Glück sie haben, bei der verwitweten Frau Marquart untergekommen zu sein, nachdem sie 1945 aus ihrer Wohnung ausgebombt wurden. Dennoch lässt die Sorge um ihre beiden Söhne, die immer noch nicht aus dem Krieg heimgekehrt sind, sie manche Nacht wach liegen. Als Heller von der neu gegründeten Volkspolizei zu einem Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen wird, ahnt er gleich, dass diese Ermittlungen sich nicht leicht gestalten werden. Denn der Ermordete ist ein Rotarmist, der vom Militär weggeschafft wird, noch ehe Heller mit den Ermittlungen beginnen kann. Der Rucksack, auf den Heller am Tatort stößt, wurde von den Rotarmisten allerdings übersehen, und er birgt einen äußerst grausigen Inhalt: Heller findet darin den abgetrennten Kopf eines Mannes…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Wie bereits in seinem ersten Kriminalroman „Der Angstmann“, der in den letzten beiden Kriegsjahren angesiedelt war, überzeugt Frank Goldammer in „Tausend Teufel“ beinahe von der ersten Seite an mit seiner unglaublich authentischen Schilderung der entbehrungsreichen und von Hunger und Kälte geprägten Nachkriegsjahre. Sein Protagonist Max Heller und dessen Ehefrau Karin haben die zerstörerische Bombardierung 1945 überlebt, und doch merkt man vor allem Max an, dass er nicht mehr ganz derselbe ist. Es gelingt Goldammer auf überzeugende Weise, die teilweise sehr subtilen Veränderungen, die dieser furchtbare Krieg bei den Menschen anrichtete, an Hellers Beispiel deutlich zu machen. Hinzu kommen der beinahe ständig nagende Hunger, die Eiseskälte des Winters und der tägliche Kampf ums Überleben, die Goldammer eindringlich zu beschreiben weiß.

In diesem beinahe hoffnungslosen Szenario siedelt er einen Mordfall an, dessen Ermittlungen vom ersten Moment an vom sowjetischen Militär sabotiert werden. Auch wenn der Mordfall und die damit verbundenen Funde unterschiedlicher Leichenteile manchmal etwas wirr und zusammenhangslos wirken, gelingt es dem Autor doch, die Machtlosigkeit eines besiegten Volkes aufzuzeigen, das nun gezwungen ist, seine Eroberer bei Laune zu halten. Vor allem der so durch und durch integre Max Heller stößt hier immer wieder an seine persönlichen Grenzen, ist er doch gezwungen, eng mit den Russen zusammenzuarbeiten, um diesen Fall lösen zu können. Wie auch schon mit „Der Angstmann“, legt Frank Goldammer mit „Tausend Teufel“ eine Geschichte vor, die weniger Krimi, als vielmehr historischer Roman ist und hier auf ganzer Linie zu überzeugen weiß.



Oberkommissar Max Heller ermittelt in folgenden Fällen:
Der Angstmann
Tausend Teufel

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen