Nichts als die Nacht

Autor: John Williams
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28129-4
Erscheinungsdatum (D) 08.09.17 Erschienen 1948
Seiten 160
Übersetzung Bernhard Robben

Nichts als die Nacht Nothing but the night

Inhalt

Es ist ein nie verwundenes Trauma aus der Kindheit, das das Leben des jungen Arthur Maxley bis heute zu bestimmen scheint. Sein Alltag ist geprägt von Müßiggang, Alkohol und einer gewissen Sinnlosigkeit, die sich durch alles zu ziehen scheint. Als er sich, einer Laune nachgebend, wie es fast scheint, mit seinem Vater verabredet, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, brechen alte Wunden wieder auf. Eine Tragödie, über die weder Vater noch Sohn sprechen können, überschattet das gemeinsame Dinner, das ein abruptes Ende findet. Da ist etwas, was Arthur seinem Vater offenbar nicht verzeihen kann und was das Zusammensein der beiden von Anfang an vergiftet. Das unversöhnliche Ende ihrer Begegnung legt sich wie ein Schatten über die nachfolgenden Ereignisse, die das volle Ausmaß von Arthurs abgrundtiefer Not offenbaren. Während er sich in den Strudel der sinnlichen Verführung einer unbekannten Schönen ziehen lässt, wird immer deutlicher, dass sein eigentliches Begehren ein gänzliche anderes ist – eines, das niemand zu erfüllen in der Lage sein kann…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Nichts als die Nacht“ ist der erste Roman des damals zweiundzwanzigjährigen John Williams, in dem sich die existentiellen Gedanken eines jungen Mannes präsentieren, der gerade eben dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Williams war damals Mitglied der Air Force und wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs auf einem Erkundungsflug in Burma abgeschossen - er und der Pilot überlebten, die anderen fünf Crewmitglieder starben. Während John Williams nun damit beschäftigt war, das erlittene Trauma irgendwie zu verarbeiten, machte er sich daran, die Geschichte eines anderen jungen Mannes zu erzählen, dessen Leben ebenfalls durch ein traumatisches Erlebnis gezeichnet ist. So ist „Nichts als die Nacht“ womöglich gewissermaßen Williams’ Auseinandersetzung mit seinem eigenen Schicksal, und obwohl er hier nur zwölf Stunden im Leben des jungen Maxley schildert, werden gerade dadurch dessen Zerrissenheit, seine Schuldgefühle und seine Scham besonders deutlich.

Gerade in der Schilderung der Gefühle und Gedanken seines Protagonisten macht Williams dessen Gespaltenheit und Gequältheit besonders deutlich. Die schwarzen Schatten, die auf Maxleys Seele liegen, macht der Autor in einer Sprache deutlich, die ebenso eindringlich wie schlicht ist. Auch wenn der Plot schnell erzählt ist, ist es doch gerade die tiefere Dimension von Arthur Maxleys Abgründen, die diese Novelle noch lange nachhallen lässt. Die Intensität, die sich in den 160 Seiten verbirgt, ist förmlich mit Händen zu greifen und spricht von einer tiefen Sehnsucht nach dem Verstehen des eigenen Ich. Fast scheint es, als sei diese Novelle John Williams’ verzweifelter Versuch, mit seinem Schicksalsschlag fertig zu werden und, trotz der dunklen Flecken auf seiner Seele, irgendwie weiterzuleben.

"Nothing But the Night" erschien 1948 bei "Swallow Press", war aber damals ein Misserfolg und geriet bald in Vergessenheit.
Unter Literaturkennern galt John Williams zwar schon zu Lebzeiten als Geheimtipp, internationale Bekanntheit erreichte er allerdings erst nach seinem Tod. Edwin Frank, Cheflektor der Buchreihe "New York Book Review Classics" entdeckte "Stoner", der 2006 in der Reihe erschien.

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