Nach dem Schmerz

Autor: Lucas Grimm
Genre: Thriller
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05778-3
Erscheinungsdatum (D) 20.03.17 Seiten 316

Nach dem Schmerz

Inhalt

Seit Hannah Gold als Siebenjährige vor den Augen ihres Vaters gefoltert wurde, ist es ihr nicht mehr möglich, physische Schmerzen zu empfinden. Damals wurde versucht, aus ihrem Vater, Walter Gold, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der DDR, geheime Informationen herauszupressen. Er schwieg und wurde nach Sibirien deportiert, Jahre später wurde er für tot erklärt. Heute, siebenundzwanzig Jahre später, ist Hannah Gold eine gefeierte Cellistin und will mit ihrer Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Doch dann sitzt plötzlich ihr tot geglaubter Vater in einem ihrer Konzerte, und alles, was Hannah längst vergessen glaubte, drängt wieder an die Oberfläche.

Doch nicht nur Hannahs Schicksal scheint unabänderlich mit ihrem Vater und dessen Vergangenheit verknüpft zu sein, auch der ehemalige Kriegsreporter und Starjournalist David Berkoff versucht seit Jahren, ein gefährliches Komplott aufzudecken, das in direktem Zusammenhang mit Walter Gold steht. 1989 verschwanden 381 CD-ROM aus der Berliner Stasi-Zentrale, die die berüchtigten Rosenholz-Dateien mit den Namen westdeutscher Politiker, Journalisten und Unternehmer, die für die Stasi spionierten, zum Inhalt hatten. Mit dem Wiederauftauchen von Walter Gold sieht Berkoff die Chance seines Lebens gekommen, doch bald schon zeigt sich, dass sowohl eine alte Stasi-Verbindung als auch der BND hinter den Dateien her ist. Damit gerät nicht nur Berkoffs Leben in große Gefahr, sondern auch das von Walter Golds Tochter Hannah…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Der deutsche Autor Lucas Grimm entwirft mit seiner Protagonistin Hannah Gold das verstörende Bild einer jungen Frau, die nach einem schrecklichen Trauma in ihrer Kindheit die Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden, komplett abgespalten hat. Aus ihr ist eine begnadete Cellistin geworden, die nur mithilfe der Musik überhaupt fühlen kann. Diese Hannah Gold beeindruckt von der ersten Minute an und findet in dem verlebten und desillusionierten Journalisten David Berkoff einen unerwarteten Mitstreiter. Die Zeichnung dieser beiden so unterschiedlichen Charaktere ist Grimm äußerst glaubhaft und authentisch gelungen – sie machen das Kernstück seines Thrillers aus. Hier treffen zwei Menschen aus gänzlich unterschiedlichen Welten und mit komplett verschiedenem Hintergrund aufeinander und gehen so etwas wie eine Symbiose ein – was sie vereint, ist die Angst vor sich selber.

Auch wenn das F-Wort hier in all seinen Varianten für manchen Geschmack sicherlich das eine oder andere Mal zu oft bemüht wird und Grimm auch ansonsten vor harten Ausdrücken nicht zurückscheut, ist „Nach dem Schmerz“ doch ein Thriller, der in vielen Punkten zu überzeugen weiß. Vor allem die Geschichte um die verschwundenen Rosenholz-Dateien ist klug konstruiert und schlüssig umgesetzt. In rasantem Tempo erzählt der Autor hier eine Geschichte, die sich mit einem Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte befasst, das bis ins 21. Jahrhundert nachhallt. Auch wenn die eine oder andere Wendung in diesem Thriller nicht immer glaubhaft wirkt, erzählt „Nach dem Schmerz“ alles in allem doch eine überzeugende Geschichte aus unserer jüngeren Vergangenheit und überzeugt vor allem durch gute Recherche und nachvollziehbare Fakten.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen