Der Traumjäger

Autor: Stefan Egeler
Genre: Fantasy
Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3741288371
Erscheinungsdatum (D) 18.11.16 Seiten 340

Der Traumjäger

Inhalt

Ben Vogt hat Albträume seit er denken kann. Um sich den entsetzlichen Bildern nicht Nacht für Nacht stellen zu müssen, treibt er bis zur Erschöpfung Sport und isst nur wenig. Einzig die Arbeit als Rettungssanitäter bringt ihm ein wenig Ruhe. Doch seine Unbeherrschtheit kostet ihn den Job und, wenig später, sein Vertrauen gegenüber einer Fremden sogar das Leben. Ben landet weder in der Hölle noch im Himmel. Sondern irgendwo dazwischen. Er wandelt noch auf der Erde unter den Menschen, doch keiner sieht ihn mehr, und er kann auch zu niemandem Kontakt aufnehmen. Nur in die Träume der Menschen kann er eindringen, wie er irgendwann herausfindet. Als Ben die junge Hexe Laura trifft, ist er unendlich erleichtert, dass diese ihn hören und sehen kann. Laura nimmt Ben mit zu sich nach Hause, damit er ihr Gesellschaft leistet. Die Hexe braucht Ablenkung, denn vor Kurzem ist ihre kleine Cousine Miriam spurlos verschwunden, und in der Familie herrscht keine gute Stimmung. Ben will sich nützlich machen und bietet bei der Suche seine Hilfe an, was Laura kategorisch ablehnt. Sie verbietet Ben sich einzumischen, doch der ist ein sturer Hund und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an. Und schon bald steckt er mitten drin, in einem Sumpf aus Geheimnissen, Verrat und Intrigen. Als Ben merkt, mit wem er sich da angelegt hat, ist es zu spät. Die Jagd auf ihn ist eröffnet…

Buchkritik von Melanie  Frommholz

Das Genre der Urban Fantasy hat seinen ganz besonderen Reiz. Gerade hier finden sich in den sonst oft ausgetretenen Fantasy-Pfaden immer wieder neue Motive und frische, kreative Ideen. In Stefan Egelers Roman „Der Traumjäger“ treffen sich urbane Fantasy und Thriller. Eine coole, weil noch relativ unverbrauchte Mischung, von der der Roman profitiert.

Stefan Egelers Hauptfigur Ben ist ein spannender Charakter. Ein Wesen zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, das für sich selbst noch nicht so wirklich entschieden hat, ob es nun ganz böse ist oder doch auch gute Seiten hat. Dafür hat er noch viel zu sehr mit sich und seiner neuen Situation zu tun. Er ist ein Anti-Held mit Zombie-Seite. Nicht wirklich sympathisch, gerade das macht es bis zum Ende spannend. Ben Vogts Ermittlungen im „Haus der Hexen“ haben eine dichte und fast kammerspielartige Atmosphäre, die einen schnell für die Geschichte einnimmt. Der Fall der verschwundenen Miriam ist das packendste Element in „Der Traumjäger“ und wirklich gelungen. Egeler hat es verstanden, den Spannungsbogen Stück für Stück weiter anzuziehen, so dass man bis zur letzten Seite bei den Ermittlungen mitfiebert. Was ist dem kleinen Mädchen denn nun wiederfahren? Und wer hat daran welchen Anteil? Die Auflösung ist klasse, weil klug angebahnt und nicht vorhersehbar.

Im Fantasy-Teil der Geschichte wird es dagegen verworren. Bens Zwischenwelt mit ihren magischen Wesen, Zeichnern, Göttern und Hexen erscheint nicht so wirklich ausbalanciert und irgendwie unfertig. Dass Ben in die Träume anderer Menschen eindringen kann, ist zwar eine spannende Gabe und eine kreative Idee, die Umsetzung sorgt aber oft für Verwirrung. Stefan Egeler schickt Ben immer wieder in unterschiedliche Aggregatszustände, und genau dazu bekommt man nur schwer Zugang. Es entstehen beim Lesen keine wirklichen Bilder, und so empfindet man diese Passagen oft als zu lange. Bens Ausflüge in die Seelen und Körper der Menschen bleiben seltsam, teils auch etwas sehr ekelig und irgendwie schräg.

Beim Lesen von „Der Traumjäger“ neigt sich die Waage mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Stefan Egelers Geschichte punktet ganz klar mit ihren frischen Ideen. Auch der spannende Thriller-Anteil ist gelungen. Die Fantasy-Elemente der Geschichte können dagegen nur bedingt überzeugen, und so begeistert dieses Buch daher leider nicht durchgängig.

"Der Traumjäger" ist das Romandebüt von Stefan Egeler.

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