Abigale Hall

Autor: Lauren A. Forry
Genre: Roman
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48548-2
Erscheinungsdatum (D) 21.08.17 Erschienen 2016
Seiten 512
Übersetzung Claudia Franz

Abigale Hall Abigale Halll

Inhalt

London, 1947. Nach dem Tod ihrer Eltern leben die siebzehnjährige Eliza Haverford und ihre jüngere Schwester Rebecca bei ihrer Tante Bess, die die beiden Mädchen allerdings nur widerwillig bei sich aufgenommen hat. Im völlig zerbombten London, in dem jeder Tag ein Kampf um Nahrung und Überleben darstellt, sind die verwaisten Schwestern ein Klotz am Bein der unverheirateten Bess, die aus ihrer Abneigung den beiden gegenüber keinen Hehl macht. Als Eliza heimlich die Kleiderkarte ihrer Tante benutzt, um für Rebecca dringend benötigte Schuhe zu kaufen, ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Noch in derselben Nacht schickt Bess Eliza und Rebecca zur Strafe nach Wales, wo sie in Thornecroft, einem abgelegenen Herrenhaus, als Dienstmädchen arbeiten sollen. Eliza bekommt noch nicht einmal die Möglichkeit, sich noch von ihrem Freund Peter zu verabschieden oder ihn über ihren neuen Aufenthaltsort zu informieren.

Auf Thornecroft sind die beiden Schwestern der strengen Haushälterin Mrs. Pollard unterstellt, die ihnen keine freie Minute gönnt. Eliza fühlt sich in den gespenstischen Hallen Thornecrofts alles andere als willkommen, zumal Rebecca sich unter dem Einfluss dieses unwirtlichen Ortes immer mehr zu verändern scheint. Als Eliza erfährt, das in der Vergangenheit immer wieder Dienstmädchen auf ungeklärte Weise von Thornecroft verschwanden, reift in ihr der Plan zur Flucht. Doch Rebeccas Schicksal scheint sich längst mit der dunklen Faszination von Abigale Hall, dem Prachtsaal des Hauses, verknüpft zu haben…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Liest man den Klappentext zu „Abigale Hall“, entsteht der Eindruck eines düsteren Schauerromans, der ein Lesevergnügen voller Gänsehautmomente verspricht. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus, weiß die Autorin Lauren A. Forry offenbar nicht so recht, welche Richtung sie mit ihrem Roman einschlagen will. Vor allem die Anfangskapitel, in denen sich ein vom Krieg verursachtes Trauma bei Elizas jüngerer Schwester Rebecca andeutet, sind zunächst noch äußerst viel versprechend. Doch dann lässt Forry völlig neue Töne anklingen, lässt Rebeccas psychische Probleme in den Hintergrund treten und deutet ein finsteres Geheimnis an, das in den unheimlichen Mauern Thornecrofts lauert. Doch auch hier will keine rechte Spannung aufkommen, es fehlt ein roter Faden, der durch die Handlung führt und den Leser bei der Stange hält.

Am Ende weiß man als Leser nicht so recht, was hier eigentlich vorgegangen ist. Ein schmerzhaftes Kriegstrauma? Dunkler Wahnsinn? Ein düsteres, ungeklärtes Verbrechen? Es will Forry einfach bis zum Schluss nicht gelingen, die Ereignisse ihrer Geschichte in einen logischen und stimmigen Zusammenhang zu bringen, wodurch leider viel Potential, das dieser Roman durchaus hat, sinnlos verpufft. Auch in der Zeichnung ihrer Charaktere vermag die Autorin nur bedingt zu überzeugen, was dem Gesamtbild dieses Romans, der durchaus über den einen oder anderen Pluspunkt verfügt, nicht wirklich zuträglich ist. „Abigale Hall“ hätte, vor allem aufgrund des gelungenen Schauplatzes, ein durchaus überzeugender Schauerroman werden können, doch leider ist hier zu viel gutes Potential ungenutzt verschleudert worden.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen