Geständnisse

Autor: Kanae Minato
Genre: Roman
Verlag: C.Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10290-9
Erscheinungsdatum (D) 27.03.17 Erschienen 2008
Seiten 272
Übersetzung Sabine Lohmann

Geständnisse Kokuhaku (Confessions)

Inhalt

Auf den ersten Blick sieht es aus, wie ein tragischer Unfall: Die Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbecken ertrunken. Während die Mutter an einer Konferenz teilnahm, muss die Kleine, die auf sie wartete, im Schwimmbecken umgekommen sein. Für die Polizei sieht alles nach einem Unfall aus, doch Moriguchi argwöhnt, dass es einen anderen Grund für den plötzlichen Tod ihrer Tochter geben muss. Einige Wochen nach dem Unglück kündigt sie den Schuldienst und konfrontiert ihre Schüler zum Abschied mit einer erschütternden Schuldzuweisung. Ohne es direkt auszusprechen, beschuldigt sie zwei Schüler, den Tod ihrer kleinen Tochter herbeigeführt zu haben.

Sie setzt damit ein tödliches Drama in Gang, das das Leben einiger Betroffener auf unabänderliche Weise verändern soll. Doch konnte Moriguchi ahnen, welche verheerenden Konsequenzen ihre Schuldzuweisungen haben würden?

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In ihrem aufwühlenden Roman „Geständnisse“ macht Kanae Minato deutlich, wie die auf Leistung und Erfolg ausgerichtete Gesellschaft Japans ihre Kinder und Jugendlichen zerbrechen lässt. Am erschütternden Beispiel eines unschuldigen kleinen Mädchens, dessen ungetrübtes Vertrauen ihm zum Verhängnis wird, entwirft Minato das erschreckende Bild einer Gesellschaft, die es so weit kommen lässt, dass ihre Kinder und Jugendlichen jeglichen Sinn für Gut und Böse verloren haben und in ihrem verzweifelten Streben nach Anerkennung und Liebe sämtliche menschlichen Grenzen überschreiten. Dabei wirft sie die Frage auf, wie viel ein menschliches Leben noch zählt, wenn es um scheinbar simple Dinge wie einen kleinen Funken von Beachtung und Anerkennung geht.

„Geständnisse“ befasst sich mit essentiellen Themen wie Moral und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne und wartet mit jeder Menge unerwarteter Wendungen auf. Am Ende bleibt die Frage offen, welche Berechtigung das Streben nach Rache und Vergeltung einer Einzelperson gibt, das Leben vermeintlich schuldig Gewordener zu zerstören. „Geständnisse“ ist ein aufwühlender und zugleich verstörender Roman, der die Besonderheit der japanischen Kultur zum Ausdruck bringt und beim europäischen Leser sowohl besseres Verstehen als auch Befremden hervorruft.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen