Die Frauen von Salem

Autor: Brunonia Barry
Genre: Roman
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-71436-0
Erscheinungsdatum (D) 13.06.17 Erschienen 2017
Seiten 606
Übersetzung Elke Link

Die Frauen von Salem The Fifth Petal

Inhalt

Als im November 1989 in Salem, Neuengland drei Frauen auf bestialische Weise ermordet werden, gibt es nur eine Zeugin: Callie, die kleine Tochter einer der Ermordeten. Der Morde verdächtigt wird die bekannte Lokalhistorikerin Rose Whelan, der Fall kann allerdings nie ganz gelöst werden. Genau fünfundzwanzig Jahre nach der grauenvollen Bluttat kommt in Salem erneut ein Mensch unter ungeklärten Umständen ums Leben, und erneut wird Rose Whelan verdächtigt, die Tat begangen zu haben. John Rafferty, Polizeichef in Salem, nimmt die Ermittlungen auf, ist sich allerdings ziemlich sicher, dass die psychisch labile Rose mit dem aktuellen Todesfall nichts zu tun hat und auch vor fünfundzwanzig Jahren zu Unrecht verdächtigt wurde.

Callie Cahill, die damals mit dem Leben davonkam und in einem von Ordensschwestern geführten Heim aufwuchs, erfährt von den üblen Verdächtigungen, denen Rose ausgesetzt ist. Obwohl sie niemals nach Salem zurückkehren wollte, macht sie sich sofort auf die Reise in ihre Heimatstadt, muss sie doch beweisen, dass Rose nichts mit dem Todesfall zu tun hat. Als Callie endlich zu Rose gelassen wird, ist sie mehr als erschüttert vom Zustand, in dem sich die Frau befindet, bei der sie einst aufwuchs. Immer mehr fühlt sich die junge Frau von der aufgeheizten Stimmung, die in Salem herrscht, an eine regelrechte Hexenjagd erinnert…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Die Frauen von Salem“ ist ein Roman, der zwangsläufig polarisieren muss. Auf der einen Seite steht die bewegende und tiefgehende Geschichte einer jungen Frau, die gezwungen ist, sich nach vielen Jahren endlich mit ihrer aufwühlenden Vergangenheit auseinanderzusetzen. Diese Geschichte erzählt Brunonia Barry auf äußerst einfühlsame Art und Weise, in der viel Empathie und Mitgefühl für die menschliche Seele mitschwingen. Doch auf der anderen Seite stehen die mystischen und esoterischen Elemente, die diese an und für sich so gekonnt konstruierte Geschichte regelrecht mit einer seltsamen Stimmung überfrachten. Wenn die Rede ist von weißer, grauer und schwarzer Magie, Bannzaubern und Zaubertränken, dann weiß man als Leser nicht mehr so recht, wie ernst man die Geschehnisse in und um Salem eigentlich nehmen soll. Stellenweise kommt man sich vor wie in einer kunterbunten Mischung aus Vergangenheitsbewältigung, mysteriösen Hexenritualen, wilden Orgien und dunklen Geheimnissen, die nicht ans Tageslicht gelangen sollen. Das ist des Guten einfach zuviel, fehlt hier doch ein roter Faden, der den Leser zielgenau durch die Handlung führt.

Das ist vor allem deshalb so bedauerlich, weil Brunonia Barry mit authentisch gezeichneten Charakteren und stimmungsvollen Schauplätzen zu überzeugen weiß. Callies Geschichte wäre ohne den ganzen Hokuspokus absolut fesselnd und bewegend, verliert aber durch zu viel Schnickschnack immer wieder an Fahrt und Überzeugungskraft. Vor allem gegen Ende gelingt es Brunonia Barry den Leser noch einmal richtig zu fesseln, doch insgesamt gesehen ist „Die Frauen von Salem“ ein Roman, der an zu vielen Stellen nicht die richtige Wendung nimmt, um gänzlich zu überzeugen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen