Alles, was folgte

Autor: Renate Ahrens
Genre: Roman
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-28166-6
Erscheinungsdatum (D) 02.05.17 Seiten 333

Alles, was folgte

Inhalt

Als im Jahr 1990 die Mauer fällt, gerät das Leben der Hamburger Kriegsfotografin Katharina von einem Moment zum nächsten ins Wanken. Die Vierundvierzigjährige erhält ein Bündel Briefe aus Ostberlin, die eine für Katharina zunächst nicht greifbare Wahrheit beinhalten: Die Frau, die sie ihr Leben lang für ihre Mutter hielt, ist in Wirklichkeit ihre Tante, die Schwester ihrer leiblichen Mutter. Katharinas bisher so streng organisiertes und durch und durch kontrolliertes Leben gerät völlig aus den Fugen, muss sie sich doch der Tatsache stellen, dass es auf einer für sie unfassbaren Lüge aufgebaut wurde. Die Frau, die es gewohnt ist, ihre Gefühle konsequent unter Verschluss zu halten, verspürt plötzlich den unbändigen Drang, ihrer Familiengeschichte auf den Grund zu gehen.

Dabei stößt sie auf die tragische Liebe ihrer Eltern Oskar und Ingrid, die sich 1942 in Hamburg beim Swing-Tanzen im Alsterpavillon kennen lernten und sich sofort ineinander verliebten. Inmitten der Schreckensherrschaft der Nazis träumten die beiden jungen Leute von einer gemeinsamen und vor allem friedlichen Zukunft. Doch dann wurde Oskar einberufen und schließlich 1945 als verschollen erklärt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Immer wieder befasst Renate Ahrens sich in ihren Romanen mit verdrängten Geheimnissen innerhalb von Familien, die irgendwann von einem Familienmitglied aufgebrochen werden müssen. So auch in „Alles, was folgte“, wo die scheinbar so toughe Kriegsfotografin Katharina mit einer Wahrheit konfrontiert wird, die ihr gesamtes bisheriges Leben in Frage stellt. Auf äußerst einfühlsame und feinfühlige Weise zeigt Ahrens auf, wie sehr die menschliche Seele es perfektioniert hat, traumatische Erlebnisse abzuspalten und wie unser Leben durch lange verdrängte Geheimnisse komplett erschüttert werden kann. Dabei vereint sie zwei äußerst empfindliche Themen der neueren deutschen Geschichte miteinander: die grauenvolle Zeit des Zweiten Weltkriegs und des damit einhergehenden Naziterrors und die für zahllose Deutsche so fürchterliche Trennung des Landes in Ost und West.

Ahrens siedelt ihre Familiengeschichte zwischen Zweitem Weltkrieg und dem Mauerfall an und macht damit überdeutlich, wie traumatisiert unsere und auch die nachfolgende Generation noch immer sind. Mit behutsamem Blick für ihre Charaktere und großem Fingerspitzengefühl für die grauen Zwischentöne erzählt sie von einer Frau, die den unbequemen, steinigen Weg wählt und damit eine Entscheidung für sich und ihre Familie trifft. Diese Katharina beeindruckt mit all ihren Ecken und Kanten, hinter denen sie ihre weiche, verletzliche Seite zu verbergen sucht. „Alles, was folgte“ ist ein bewegender Roman, der Mut macht, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und der ohne jegliche Gefühlsduselei bis ins Mark berührt.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen