Zwei Kontinente

Autor: Jussi Valtonen
Genre: Roman
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05731-8
Erscheinungsdatum (D) 02.05.17 Erschienen 2014
Seiten 576
Übersetzung Elina Kritzokat

Zwei Kontinente He eivät tiedä mitä tekevät

Inhalt

Joe Chayefski ist einer der renommiertesten Neurowissenschaftler der USA, glücklich in seiner Ehe mit Miriam und liebt seine beiden wunderbaren Töchter innig. Seine Vergangenheit hingegen hat Joe erfolgreich ausgeblendet, seine kurze Ehe mit der Finnin Alina liegt Jahrzehnte zurück, und seinen Sohn Samuel sah er das letzte Mal, als der zwei Jahre alt war. Je mehr Zeit seit der Trennung verstrichen ist, desto seltener verschwendet Joe auch nur einen kurzen Gedanken an seinen mittlerweile erwachsenen Sohn, stellte er doch damals sein berufliches Fortkommen über das Wohl seines zweijährigen Kindes.

Dann gerät Joes Labor in das Visier von militanten Tierschützern, und schnell wird klar, dass es sich dabei um einen ganz persönlichen Angriff gegen Joe handelt. Er, der es gewohnt ist, dass stets nur lobende Worte für seine Arbeit gefunden werden, muss sich damit auseinandersetzen, dass sein bisher so tadelloser Ruf zusehends ins Wanken gerät. Hinzu kommt noch die immer drängender werdende Angst um seine Familie, denn die Tierschützer machen auch vor Joes Privathaus nicht Halt und nehmen offensichtlich in Kauf, dass auch seine beiden Töchter verletzt werden könnten. Völlig überraschend meldet sich da Alina, Joes Ex-Frau und macht seltsame Andeutungen über eine mögliche Verwicklung Samuels in die bestürzenden Ereignisse. Völlig hilflos muss Joe zusehen, wie seine scheinbar so heile Welt auf unwiederbringliche Weise ins Wanken gerät – bis am Ende nichts mehr so ist, wie es einmal war…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In seinem Roman „Zwei Kontinente“ macht der finnische Autor Jussi Valtonen auf eindringliche Weise deutlich, was Heimat für jeden einzelnen von uns bedeutet, und welch bestürzende Auswirkungen das Gefühl von Heimatlosigkeit auf unser Leben haben kann. Zwei Menschen, auf unterschiedlichen Kontinenten groß geworden, begegnen einander und werden sich immer mehr der Unterschiede in ihrer Erziehung, ihren Werten und ihrem Denken bewusst – bis sie erkennen müssen, dass ein gemeinsames Leben nicht möglich sein kann. Zugleich ist „Zwei Kontinente“ aber auch ein Spiegelbild unserer schönen, neuen Welt, in der nichts mehr unmöglich scheint und in der dennoch die Entfernung zwischen uns immer größer und unüberwindlicher wird. Vor allem die Vater-Sohn-Beziehung, die Valtonen in seinem Roman schildert, ist tragisch und zutiefst berührend, erzählt sie doch von zwei Menschen, die, jeder auf seine Art, darum ringen, das Richtige zu tun und am Ende genau daran scheitern.

Auf der anderen Seite steht jedoch die Vielzahl an Themen, die Valtonen in seinen Roman einfließen lässt, die dem Leser ab einem gewissen Punkt den Blick auf das Wesentliche verstellen und die Tiefe der Geschichte aus den Augen verlieren lassen. Hier treffen Themen wie die Frage um die Ethik von Tierversuchen, sinnvoller Umgang mit den neuen Medien, Verlust von Heimat, die Bedeutung von beruflichem Erfolg und familiärer Verbundenheit aufeinander und geraten im Kopf des Lesers irgendwann zu einem heillosen Durcheinander. Am Ende legt man „Zwei Kontinente“ mit dem Gefühl zur Seite, nicht wirklich berührt worden zu sein, weil sich alles viel zu sehr im Kopf abgespielt hat und die Essenz nicht getroffen wurde.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen