Dieser Volkszähler

Autor: China Miéville
Genre: Roman
Verlag: Liebeskind
ISBN: 978-3-954-38071-8
Erscheinungsdatum (D) 23.01.17 Erschienen 2016
Seiten 176
Übersetzung Peter Torberg

Dieser Volkszähler This Census-Taker

Inhalt

Es ist ein einsames Leben, das der Junge in einem abgelegenen Haus auf einem Berg oberhalb des Brückendorfes mit seinen Eltern fristet. Sein Vater ist ein berühmter Schlüsselmacher, dessen Kunst weithin gerühmt wird. Hin und wieder steigt der Junge gemeinsam mit seiner Mutter hinab ins Dorf, doch hier gehören sie nicht dazu, das spürt er nur allzu deutlich, und seine Mutter will nicht mit ihm über diese Dinge sprechen. Oft steigen Leute den Berg hinauf, aber nur, um dem Vater ihr Anliegen vorzutragen, denn seinen Schlüsseln werden magische Kräfte nachgesagt. Doch niemals sieht der Junge einen Kunden ein zweites Mal, und als er Zeuge einer grausamen Tat wird, die er nicht verstehen kann, ist er gezwungen, ins Tal zu fliehen.

Die Leute dort beäugen ihn misstrauisch und wollen ihm nicht glauben, als er mit blutbeschmierten Händen erzählt, seine Mutter habe seinen Vater getötet. Obwohl, so ganz sicher ist er sich nicht, vielleicht hat auch vielmehr der Vater die Mutter ermordet…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist eine äußerst seltsame und fremdartige Geschichte, die China Miéville in seiner Novelle „Dieser Volkszähler“ zum Besten gibt – eine Geschichte, die sperrig erzählt ist und dennoch einen ganz eigenen Reiz auf den Leser ausübt. Miéville erzählt von einer düster anmutenden Welt, von einem postapokalyptisch wirkendem Dorf, das von geheimnisvollen Kräften beherrscht wird. Dabei sprengt der Autor sämtliche Genregrenzen, ja, fast scheint es, als habe er mit „Dieser Volkszähler“ ein gänzlich neues Genre erschaffen, in dem man sich als Leser weder geborgen noch vertraut fühlt. Immer wieder bekommt man das mulmige Gefühl, gleich könne eine Figur aus dieser Novelle mit dem Finger auf einen zeigen und einen als unerwünschten Beobachter entlarven.

Auch wenn „Dieser Volkszähler“ eine atmosphärisch dichte Geschichte zu bieten hat und virtuos erzählt ist, sind die Charaktere doch völlig fern und unvertraut. Es will einfach nicht gelingen, sich auch nur mit einer der Figuren zu identifizieren, bleiben doch die Gründe für ihr Handeln weitgehend im Dunkeln. „Dieser Volkszähler“ ist eine Novelle, die auf äußerst gekonnte Weise von einer Welt erzählt, die fern ist und doch auch wieder sehr nah, doch ein wirklich intensiver Zugang zu dieser Geschichte will sich einfach nicht einstellen.

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