Die Wölfe kommen

Autor: Jérémy Fel
Genre: Thriller
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26143-2
Erscheinungsdatum (D) 04.08.17 Erschienen 2015
Seiten 398
Übersetzung Anja Nattefort

Die Wölfe kommen Les loups à leur porte

Inhalt

Auf einer Farm, umgeben von wogenden Weizenfeldern, irgendwo in Kansas, nimmt das Grauen seinen Anfang: Hier zündet in den 1970er Jahren ein Jugendlicher sein Elternhaus an. Alles, was hinterher geschieht, steht in irgendeiner Weise in Verbindung mit diesem Ereignis. Ein Kleinkrimineller entführt in New York gut zwei Jahrzehnte später einen dreijährigen Jungen und trifft auf seiner Flucht auf eine junge Frau, die sich ihrerseits vor ihrer dunklen Vergangenheit versteckt und nun als Kellnerin in einem Diner arbeitet. Ein unbescholtenes Ehepaar aus Idaho bekommt unerwarteten Besuch, der das Böse und Tod und Vernichtung im Gepäck hat. Am Strand eines idyllischen Küstenörtchens begegnet eine junge Frau einem Mann, von dessen abgrundtiefer Verzweiflung sie ebenso wenig ahnt, wie von der grausigen Tat, die er gerade eben begangen hat…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist ein zutiefst verstörender und absolut grandios konstruierter Episodenroman, den uns der französische Autor Jérémy Fel hier präsentiert. Das abgrundtief Böse, das aus jeder Seite von „Die Wölfe kommen“ spricht, zieht sich durch die unterschiedlichen Episoden wie ein roter Faden und lässt einem stellenweise buchstäblich das Blut in den Adern gefrieren. Zwölf Protagonisten besiedeln Fels Thriller, teilweise sind sie Jäger, teilweise werden sie selbst zu Gejagten, und immer ist die Niedertracht wie ein fast lebendiges Wesen aus Fleisch und Blut mit von der Partie. Meisterhaft und mit einem außerordentlichen Gespür für den richtigen Zeitpunkt lässt Fel seine Figuren zunächst scheinbar unabhängig voneinander agieren, um sie dann nach und nach zueinander in Beziehung zu bringen, bis am Ende ein stimmiges Ganzes entsteht. „Die Wölfe kommen“ erinnert dabei an ein literarisches Puzzlespiel, dessen einzelne Teile wahllos verstreut liegen, beim Zusammenfügen dann aber ein grausiges und zutiefst verstörendes Bild ergeben.

Jérémy Fels Sprache fasziniert von der ersten Seite an, gelingt es ihm doch, die Niedertracht und die dunklen Abgründe der Spezies Mensch mit jedem Kapitel noch deutlicher hervortreten zu lassen. Dabei überzeugt er in der Zeichnung seiner Charaktere ebenso, wie in der immer rasanter werdenden Abwärtsspirale aus Angst, Manipulation und Verführung. „Die Wölfe kommen“ ist ein außergewöhnlicher, bis zum Ende unberechenbarer und meisterhaft konstruierter Episodenthriller, dessen Sogkraft man sich in keinem Augenblick entziehen kann.

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