Ein Festtag

Autor: Graham Swift
Genre: Roman
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28110-2
Erscheinungsdatum (D) 15.05.17 Erschienen 2016
Seiten 144
Übersetzung Susanne Höbel

Ein Festtag Mothering Sunday

Inhalt

Seit vielen Jahren schon ist die zweiundzwanzigjährige Jane Fairchild Dienstmädchen auf Beechwood – und seit nun schon sieben Jahren hat die Waise ein Verhältnis mit Paul, der aus begüterten Verhältnissen stammt. Nun, im Frühling 1924, ist Paul und Jane nur zu bewusst, dass dieser Austausch von heimlichen Botschaften und die vielen verschwiegenen Treffen bald ein Ende haben werden. Denn Paul wird demnächst heiraten – natürlich eine junge Frau, die seinem Stand entspricht.

An einem sonnigen Märztag, dem Mothering Sunday, treffen Jane und Paul sich ein letztes Mal. Jane darf ihr Fahrrad direkt an der Mauer zu Pauls Elternhaus abstellen, das Anwesen ohne schlechtes Gewissen betreten und direkt in Pauls Bett kommen – denn Familie und Dienerschaft sind außer Haus. Doch die süßen gemeinsamen Stunden sind begrenzt, muss Paul sich doch anschließend noch mit seiner Verlobten treffen. Als ihr Geliebter gegangen ist, wandelt Jane nackt durch das große Haus, betrachtet die Gegenstände, die Pauls Leben ausmachen und ahnt noch nicht, dass ihr Leben am Ende dieses Tages nicht mehr dasselbe sein wird…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Ein Festtag“ ist ein wundervoller, bittersüßer und zugleich schwebend leichter Roman, der die Geschichte einer Frau erzählt, die entschlossen ist, ihre Leidenschaft zu leben. Einer Frau, die trotz ihrer „niederen“ Herkunft davon überzeugt ist, die Essenz ihres Lebens auskosten zu dürfen, die als Waise die große Freiheit verspürt, ihr Leben frei zu leben, ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Jane Fairchild ist eine faszinierende Figur, sie fesselt von der ersten Sekunde an mit ihrem außergewöhnlichen Charakter und ihren feinsinnigen Überlegungen. Wenn Graham Swift sie viele Jahrzehnte später auf jene Ereignisse zurückblicken lässt, entsteht das Bild einer zutiefst beeindruckenden Frau, die nach einem Leben als Schriftstellerin die Dinge, einem Roman gleich, Revue passieren lässt.

Jane Fairchilds Geschichte, die von einer Tragödie und zugleich von einer wundersamen Entfaltung erzählt, berührt vom ersten Moment an in ihrer Offenheit, ihrer Sinnlichkeit und den ernsten Untertönen. Swifts klare, direkte und zugleich poetische Sprache berührt tief verborgenen Saiten und hallt noch lange nach. „Ein Festtag“ ist ein bewegendes Zeugnis der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in der kaum eine Familie keine Verluste zu beklagen hatte und erzählt auf äußerst feine Weise von einer jungen Frau, der die Liebe zu Büchern einen völlig neuen Horizont eröffnet. Graham Swift lässt es Jane an einer Stelle im Roman so sagen: „Das bedeutete es doch, Schriftsteller zu sein: Sich dem Stoff des Lebens in die Arme zu werfen. Das war der Sinn des Lebens – sich ihm in die Arme zu werfen.“ Was für ein wundervoller Gedanke!

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen