Einschnitt

Autor: Elisa Albert
Genre: Roman
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26090-0
Erscheinungsdatum (D) 11.11.16 Erschienen 2015
Seiten 211
Übersetzung Miriam Mandelkow

Einschnitt After Birth

Inhalt

Ein Jahr alt ist Aris Sohn Walker nun, er ist ein gesundes und fröhliches Kind, und Ari könnte mit ihrem Leben zufrieden sein. Sie ist glücklich mit ihrem Mann Paul, lebt mit ihm und Walker in einem schönen Haus und muss sich eigentlich um nichts Sorgen machen. Doch Walkers Geburt hat Ari komplett aus der Bahn geworfen, der ungeplante Kaiserschnitt kommt ihr wie ein hässlicher Einschnitt in ihr Leben vor. Sie fühlt sich als Versagerin, weil sie Walker nicht auf natürlichem Weg zur Welt bringen konnte und meint, die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben. Mit ihren Sorgen und Ängsten, mit der Trauer über den unglücklichen Verlauf der Geburt, fühlt sie sich völlig alleingelassen. Paul versteht nicht, was Ari umtreibt, sieht nicht, dass das Muttersein für sie ein viel größerer Einschnitt ist, als sie beide sich das vorgestellt hatten.

Als Mina Morris, Ex-Rockstar und hochschwanger mit ihrem ersten Kind, in Aris Nachbarschaft zieht, fühlt die sich sofort zu der unkonventionellen Frau hingezogen. Hier hat sie das Gefühl, eine Verbündete gefunden zu haben, verstanden zu werden. Nach Minas Entbindung ist es Ari, die ihr wertvolle Hilfestellung und echtes Verständnis geben kann, und die beiden Frauen entwickeln eine ganz besondere Freundschaft zueinander…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Es ist vor allem Elias Alberts kreative und äußerst erfrischende Sprache, die einen von Beginn an für ihren Roman einnimmt. Scharfzüngig und hin und wieder wirklich schonungslos geht sie den modernen Mythen um Schwangerschaft und Geburt auf den Grund, was manchmal fast schon wie eine Abrechnung klingt. Tatsächlich hat das, was Elisa Albert hier zu erzählen hat, nichts gemein mit den gängigen Klischees von glücklichen, sich im siebten Himmel befindlichen Müttern, die die Augen nicht von ihrem selig glucksenden Nachwuchs lassen können. Die Art und Weise, wie die Autorin in fast schon erschreckender Aufrichtigkeit von Brüsten erzählt, die ziellos in der Gegend umher spritzen, ist durchaus erfrischend und mit einem trockenen Humor gesegnet, der Freude macht.

Auf der anderen Seite steht allerdings auch der bittere Unterton einer Geburt, die nicht so verlaufen ist, wie es sich Ari erträumt hatte. Dieser Schnitt, der sie gefühlsmäßig in zwei Teile geteilt hat, der sie vermeintlich zu einer Versagerin hat werden lassen, schwingt in jeder Zeile mit und verleiht diesem Roman einen bitteren Unterton, der sich für jemanden, der diese Erfahrung nicht teilt, nur schwer nachvollziehen lässt. Bei allem Respekt fällt es schwer zu verstehen, warum diese Mutter nicht einfach froh sein kann, ein gesundes und fröhliches Kind zur Welt gebracht zu haben – auf welchem Wege auch immer. Hier ist es Elisa Albert nicht stimmig gelungen, Aris Verletztheit und Trauer zum Leser zu transportieren, was zur Folge hat, dass dieser Roman trotz all seiner positiven Seiten nur bedingt zu berühren weiß.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen