Stumme Helden lügen nicht

Autor: Simon Packham
Genre: Jugendbuch
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423717243
Erscheinungsdatum (D) 10.03.17 Erschienen 2012
Seiten 208
Übersetzung Katja Frixe

Stumme Helden lügen nicht Silenced

Inhalt

Declan Norris und Christopher Hughes waren seit Kindertagen die besten Freunde. Quasi unzertrennlich. Als Comedy-Duo wollten die beiden Teenager erst England und dann die Welt erobern. Doch nun ist Declan tot – gestorben bei einem tragischen Autounfall. Der Tod seines besten Freundes lässt Chris von einem Tag auf den anderen verstummen. Während die ganze Schule trauert, wirkt er relativ unbeteiligt. Sein Umfeld ist ratlos, doch Chris schweigt. Weder seine Familie noch seine Mitschüler bekommen ihn zum reden. Ist es tatsächlich nur der Verlust, der ihn schweigen lässt, oder hat Chris tatsächlich auch etwas zu verschweigen?

Buchkritik von Melanie  Frommholz

Wenn ein geliebter Mensch unverhofft stirbt, dann trifft uns das wie ein schwerer Hammer. Es wirft uns zu Boden und aus der Bahn. Auch wenn jeder Mensch anders trauert, kennt die Psychologie doch verschiedene Phasen der Trauer, die man durchschreitet, bis am Ende aller dunklen Gedanken auch wieder Licht ist. Alles beginnt mit der ersten Phase der Trauer – dem Schock. Der lässt Simon Packhams Hauptfigur und Ich-Erzähler Chris völlig verstummen. Wir begleiten den Teenager durch die ersten Tage, Wochen und Monate seiner Trauer und werden Zeuge seiner inneren Zwiesprache mit seinem verstorbenen Freund Declan und wie er gegen den schier übermächtigen Schmerz des Verlustes ankämpft. Packham balanciert in „Stumme Helden lügen nicht“ auf dem schmalen Grat zwischen Witz und Traurigkeit. Das gelingt ab und an ganz gut, ist die meiste Zeit aber weder intensiv noch packend. Die Geschichte bleibt in ihrem Verlauf immer ein Stück weit zu sehr an der Oberfläche der Dinge. Eigentlich sollte durch die Ich-Erzähler-Perspektive eine große Nähe entstehen. Doch auch wenn Chris' Schicksal anrührt, so berührt es doch weit weniger, als zu erwarten gewesen wäre. Simon Packham nimmt sich wenig Zeit für die Entwicklung seiner Charaktere. Er gibt weder Chris noch allen anderen Figuren wirkliche Tiefe, um sie unverwechselbar zu machen. Sie alle bleiben Stereotype und damit leider auch beliebig. Simon Packham taucht nicht wirklich ein, in die Untiefen, das Leid und den Schmerz, welche er beschreibt. Auch die kuriose Komik, die die Stummheit seiner Hauptfigur im Grunde beinhaltet, lotet er nicht konsequent aus. Doch genau das hätte es gebraucht, damit man sich an Chris Geschichte erinnert und wahrhaftig mit ihm fühlt. „Stumme Helden lügen nicht“ transportiert die beschriebenen Emotionen zu wenig. So bleiben Chris Schmerz, sein Leid und das seines Umfeldes abstrakt und berühren wenig.

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