Mr. Sapien träumt vom Menschsein

Autor: Ariel S. Winter
Genre: Science Fiction
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3426519325
Erscheinungsdatum (D) 02.11.16 Erschienen 2016
Seiten 240
Übersetzung Oliver Plaschka

Mr. Sapien träumt vom Menschsein Barren Cove

Inhalt

Mr. Sapien ist alt, sehr alt. Er gehört noch zu jenen Androiden, die von Menschen gebaut wurden. Heute gibt es fast keine Menschen mehr. Ein Umstand, den Sapien sehr bedauert, ist er doch ein ausgewiesener Menschenfreund. Eine Eigenschaft, die nur noch wenige Androiden und Roboter teilen. Und Sapien ist ein wenig lebensmüde. Aber auch nur ein wenig, denn noch konnte er sich nicht dazu durchringen, sich selbst abzuschalten. Auf der Suche nach einem Sinn in seinem Dasein entflieht er dem Trouble und Lärm der großen Stadt und mietet ein kleines Strandhaus in Barren Cove, direkt am Meer. Seine Vermieter sind die Asimovs. Eine merkwürdige Patchwork-Familie aus Androiden und einem der letzten Menschen. Mr. Sapien ist bald klar, dass die Familie ein dunkles Geheimnis hat. Ihr Benehmen gibt ihm immer mehr Rätsel auf. Dennoch hält ihn seine Faszination für den Menschen in Barren Cove. Könnte es hier endlich eine Antwort auf seine drängenden Fragen nach dem Leben geben?

Buchkritik von Melanie  Frommholz

Mit „Mr. Sapien träumt von Menschsein“ erscheint die erste Geschichte des Autors Ariel S. Winter auf Deutsch. Ein so faszinierendes wie „anderes“ Buch. Winter verbindet hier die Aufarbeitung einer erschütternden Familientragödie mit der philosophischen Fragen nach dem Sinn des Lebens, ja sogar der Frage was „Leben“ eigentlich bedeutet. Was ist das, Menschsein? Sind das Blut, Zellen, Nervenfasern? Der Wunsch nach Fortpflanzung? Oder doch eher die Fähigkeit, Emotionen zu empfinden? Neid, Hass, Liebe oder Trauer? Winters Geschichte kreist wie ein zerstörerischer, wütender Orkan um diese Themen, doch in seinem Inneren ist es still und ruhig. „Mr. Sapien träumt vom Menschsein“ hat zwischen diesen Gegensätzen eine düstere, bedrohliche Atmosphäre, die einen nicht mehr los lässt. Unweigerlich zieht einen die Familientragödie der Asimovs in ihren Bann. Immer mehr wird Sapiens Spurensuche zum Kammerspiel, das man atemlos verfolgt. Ariel S. Winter schreibt von Androiden, doch in dem er sich an dieser Schöpfung der Menschen abarbeitet, taucht er ganz tief ein in die Fragen des Menschseins. Was passiert mit Geschöpfen, die ewig leben können und keinen Sinn, keine Aufgabe in ihrem Dasein haben? Führt Sinnlosigkeit automatisch zu Wut und Gewalt? Oder anders herum. Verhindert ein sinnbestimmtes Leben, dass man gewalttätig wird?

Seite um Seite baut Ariel S. Winter eine morbide Faszination für seine Figuren auf, die in dem Strudel zwischen menschlichem Leben und bloßem Dasein ihren Platz suchen und den Sinn in ihrer Existenz. Ariel S. Winter findet für diese Suche poetische Worte aber auch einen kraftvollen Erzählstil. „Mr. Sapien träumt von Menschsein“ wird so zu einem Science-Fiction-Drama, das auch nach dem Lesen der letzten Seite noch nachhallt.

"Mr. Sapien träumt vom Menschsein" ist das erste Buch von Ariel S. Winter, das auf deutsch erscheint.

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