Die Spionin

Autor: Paulo Coelho
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06977-8
Erscheinungsdatum (D) 23.11.16 Erschienen 2016
Seiten 180
Übersetzung Maralde Meyer-Minnemann

Die Spionin A Espiã

Inhalt

Mata Hari – ein schillernder Mythos, eine sinnliche Verführerin. Doch dahinter steckte eine Frau, die einfach nur unabhängig sein wollte und zwischen sämtliche politischen Fronten ihrer Zeit geriet.

Die junge Niederländerin Margarethe Zelle ist bereit, alles zu tun, um der langweiligen Provinz und der Beengtheit ihrer Jugend zu entfliehen. Aus diesem Grund antwortet sie auf die Heiratsannonce eines Offiziers, der in Niederländisch-Ostindien stationiert ist und glaubt, in ihm ihren Retter gefunden zu haben. Doch ihr Leben in Java entpuppt sich bald schon als eine einzige Tragödie, weshalb sie die kleine Tochter bei ihrem gewalttätigen Ehemann zurücklässt und, kurz vor dem Ersten Weltkrieg, nach Paris entflieht. Hier ist sie zunächst ein Niemand und völlig mittellos, doch nur wenige Monate später verdreht sie als skandalöse Tänzerin Mata Hari den mächtigsten Männern Europas den Kopf. Doch mit Beginn des Kriegs wendet sich das Blatt für Mata Hari, sie lässt sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein und wird als vermeintliche Doppelagentin H21 des Hochverrats angeklagt…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In seinem Roman „Die Spionin“ beschäftigt sich der brasilianische Autor Paulo Coelho vor allem mit der Frage, wer die Frau hinter dem schillernden Mythos der Mata Hari war. Um sich seiner Figur anzunähern, schlüpft Coelho förmlich in Mata Haris Haut und lässt sie in einem fiktiven Brief aus dem Gefängnis ihre außergewöhnliche und zugleich zutiefst tragische Geschichte erzählen. Dabei stützt er sich auf mittlerweile zugängliche Geheimakten, die einen neuen Blickwinkel auf Mata Haris Geschichte ermöglichen. Coelho entwirft das Bild einer unabhängigen, freigeistigen Frau, die ihrer Zeit weit voraus war und schließlich an den Konventionen und vor allem am Machtdenken der damaligen Männerwelt zerbrach. Es gelingt ihm, Mata Hari aus Sicht ihrer Neider zu schildern und zugleich die Stimmen zu Wort kommen zu lassen, die die exotische Tänzerin zutiefst verehrten.

Durch Coelhos Erzählstil entsteht ein durchaus vielschichtiges Bild Margarethe Zelles, das allerdings keinen rechten Zugang zu dem Menschen, der sie wirklich war, zu ihren Gefühlen und Gedanken finden will. Paulo Coelho erzählt von einer Frau, die auf ihre ganz eigene Art zu einer der ersten Feministinnen wurde und zeichnet dabei die Tragödie äußerst gekonnt in all ihren Facetten – doch der Mensch Mata Hari bleibt weiterhin wie hinter einer Nebelwand verborgen.

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