Geronimo

Autor: Leon de Winter
Genre: Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06971-6
Erscheinungsdatum (D) 24.08.16 Erschienen 2015
Seiten 448
Übersetzung Hanni Ehlers

Geronimo

Inhalt

„Kill or capture“ – das war die Anweisung, die die Männer vom Seals Team 6 erhielten, als es darum ging, Usama bin Laden zu finden. Das Ergebnis der spektakulären Aktion im 2011 war eindeutig: Usama bin Laden wurde getötet und im Meer versenkt. Doch während einer Grillparty, auf der reichlich dem Alkohol zugesprochen wird, beschleichen den amerikanischen Ex-CIA-Mann Tom Johnson erste Zweifel, ob bin Laden tatsächlich hingerichtet wurde. Er erhält Hinweise, dass der vielmehr festgenommen und an einem sicheren Ort versteckt gehalten wird. Zugleich wird Tom von der unwahrscheinlichen Hoffnung angetrieben, Apana, ein afghanisches Mädchen, das sich einst in seiner Obhut befand, könne noch am Leben sein. Sie war, wie Tom auch, eine leidenschaftliche Liebhaberin der „Goldberg-Variationen“, wurde dann aber von Extremisten entführt und aufs Grausamste bestraft.

Nun begibt sich Tom auf die Suche nach Apana, nicht ahnend, dass ausgerechnet Jabbar, der Junge, der sich ihrer angenommen hat, den entscheidenden Schlüssel zur Lösung des Rätsels um Usama bin Laden in Händen hält. Denn der pakistanische Junge zählt einen alten Küchenschemel zu seinem kostbarsten Besitz und ahnt nicht einmal ansatzweise, welcher Reichtum sich damit tatsächlich unter seinem Dach befindet…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In seinem packenden, einem rasanten Thriller gleichenden Roman „Geronimo“ stellt der niederländische Autor Leon de Winter die brisante Frage in den Raum, ob die spektakuläre Suche nach Osama bin Laden, aus dem hier Usama bin Laden wurde, tatsächlich so abgelaufen ist, wie man uns damals Glauben machen wollte. Er verwebt dabei die aller Welt bekannten Fakten mit einer alternativen Hypothese darüber, was damals möglicherweise tatsächlich passiert ist und lässt dabei scheinbar absichtslos zu, wie dieser spekulative Ansatz im Geist des Lesers immer glaubwürdigere Formen annimmt. Auf fast schon spielerische Weise bringt de Winter damit die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ins Wanken und gibt so ausreichend Stoff zum Grübeln und dem Nachsinnen darüber, wie schnell und unüberlegt wir uns von den Medien beeinflussen und unser Denken damit in eine bestimmte Richtung lenken lassen.

Darüber hinaus ist „Geronimo“ aber auch ein Roman über die unglaubliche Kraft der Musik, über Verantwortung und tragisches Scheitern und über Liebe und Verlust. Zugleich berührende Liebesgeschichte und rasanter Thriller wirft „Geronimo“ viele Fragen auf, berührt bis ins Mark und ist dabei weit davon entfernt, schnöde Verschwörungstheorien in die Menge der Leserschaft zu werfen. Durch penible Recherche, fundiertes faktisches Wissen und eine überzeugende Herangehensweise an die Materie, packt Leon de Winter seine Leser von der ersten Seite an und lässt dabei viel Raum für die Entwicklung eigener Ideen und Gedanken. „Geronimo“ ist ein mutiger Roman, der in jeder Zeile zum Ausdruck bringt, wie grausam und kalt und zugleich wunderbar diese Welt ist.

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