Lautlose Nacht

Autor: Rosamund Lupton
Genre: Roman
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26121-0
Erscheinungsdatum (D) 11.11.16 Erschienen 2015
Seiten 384
Übersetzung Christine Blum

Lautlose Nacht The Quality of Silence

Inhalt

Die englische Physikerin und Astrophysikerin Yasmin ist mit ihrer gehörlosen zehnjährigen Tochter Ruby auf dem Weg nach Alaska, um dort ihren Mann Matt zu treffen. Der hält sich gerade im kleinen Dorf Anaktue, weit oben am Polarkreis auf, um dort Tiere zu fotografieren. Doch als Yasmin und Ruby am Flughafen von Fairbanks ankommen, wo Matt sie abholen soll, wartet dort stattdessen die Polizei auf Mutter und Tochter. In Anaktue gab es wohl ein schreckliches Feuer, bei dem alle Bewohner umgekommen sind – unter ihnen angeblich auch Matt. Doch Yasmin weigert sich zu glauben, dass Matt zur Zeit des Feuers in Anaktue war, hat sie doch noch einen Anruf von seinem Handy erhalten – zu einem Zeitpunkt, als angeblich schon alle Dorfbewohner tot waren. Sie ist sich ganz sicher, dass Matt noch am Leben ist und in der eisigen Polarkälte ihre Hilfe braucht.

Doch niemand bei der Polizei ist bereit, Yasmin zu glauben, weshalb sie einen verzweifelten Plan fasst: Zusammen mit Ruby will sie auf eigene Faust zum Polarkreis reisen und Matt suchen. Doch wegen eines aufziehenden Sturms fliegen keine Flugzeuge mehr, weshalb sie einen der unzähligen zwischen Fairbanks und Deadhorse hin und her rollenden Lastwagenfahrer überzeugen muss, sie und Ruby mitzunehmen. Es beginnt eine lebensgefährlich Reise durch ewiges Eis und ewige Nacht, die Mutter und Tochter alles abverlangt – denn irgendwann unterwegs müssen sie feststellen, dass sie verfolgt werden, von jemandem, der ihnen offensichtlich nach dem Leben trachtet…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Was für ein kraftvoller und fast schon unerträglich fesselnder Roman! Aus jeder Zeile von „Lautlose Nacht“ dringen die eisige Frostkälte Alaskas und die ewige Dunkelheit, die Tag und Nacht wie eine nie enden wollende Finsternis erscheinen lassen. Auf meisterhafte Weise fängt Rosamund Lupton die unwirtliche Landschaft Alaskas ein, lässt den Leser die unvorstellbare Kälte förmlich am eigenen Leib spüren und erweckt einen Eindruck davon, wie es sein muss, in einer Umgebung zu leben, wo man ohne geeignete Kleidung und Gesichtsschutz innerhalb von Minuten erfrieren würde. Die Eiseskälte durchweht förmlich den Raum, wenn man Seite um Seite von „Lautlose Nacht“ umblättert und dabei immer tiefer in einer völlig fremden und zugleich faszinierenden und entsetzlichen Welt versinkt.

Auch wenn die unwirtliche Landschaft Alaskas die eigentliche Faszination diese Romans ausmacht, sind es doch auch die von Lupton grandios in Szene gesetzten Charaktere, die einen nicht mehr loslassen wollen. Vor allem die gehörlose Ruby, die mit ihrer unglaublichen inneren Stärke und ihrem Gespür für menschliche Untiefen zutiefst beeindruckt, ist ein wichtiger Pfeiler dieser Geschichte. Es gelingt Rosamund Lupton, diese Figur absolut authentisch in Szene zu setzen und dabei einen Einblick in die Welt gehörloser Menschen zu geben, der frei von jeglichem falschen Mitleid ist. Ruby und ihre Mutter Yasmin erweisen sich schnell als die wahren Heldinnen dieser ansonsten von Männern dominierten Geschichte, und ihre Reise zum Polarkreis ist derart spannend, dass man diesen Roman einfach nicht mehr aus den Händen legen kann. Mit „Lautlose Nacht“ hat Lupton eine Geschichte erschaffen, die politische Ränkespiele ebenso thematisiert, wie die Ausbeutung eines faszinierenden Landstrichs mit all seinen Bewohnern. Nach der Lektüre dieses Romans wird man Alaska mit ganz neuen Augen sehen.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen