Die Schwalben fliegen so hoch, dass man sie kaum sehen kann

Autor: Åke Edwardson
Genre: Roman
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-550-08869-8
Erscheinungsdatum (D) 14.10.16 Erschienen 2010
Seiten 333
Übersetzung Angelika Kutsch

Die Schwalben fliegen so hoch, dass man sie kaum sehen kann Svalorna flyger så högt att ingen längre kan se dem

Inhalt

Das kleine, südschwedische Dorf, in dem Ann und Johan mit ihrem zehnjährigen Sohn Andreas leben, wird von einem ungewöhnlich heftigen Frühjahrssturm gebeutelt. Unzählige Bäume werden dabei entwurzelt, die Landschaft bietet am Tag danach ein Bild der Verwüstung. Als Andreas nicht vom Spielen nach Hause kommt, sind Ann und Johan außer sich vor Sorge. Johan findet den kleinen Andreas schließlich bewusstlos unter einem Baum begraben und alarmiert sofort den Rettungshubschrauber. Die Ärzte im Krankenhaus können keine Prognose über Andreas’ Chancen stellen, der Junge liegt im Koma, kann bald auch schon wieder selbständig atmen, doch ob und in welchem Zustand er wieder aufwachen wird, kann keiner genau sagen.

Die folgenden Monate bedeuten für Anns und Johans Ehe eine kaum auszuhaltende Belastungsprobe. Jeder von ihnen findet seinen eigenen Weg, mit der Sorge um Andreas, den unausgesprochenen Ängsten und den Schuldgefühlen umzugehen. Doch dabei verlieren sich die beiden mehr und mehr aus den Augen, Johans frühere Alkoholsucht und Anns verbissenes Schweigen lassen sie immer weiter auseinanderdriften. Doch immer wieder gibt es auch vorsichtige Versuche einer Annäherung, und sowohl Johan als auch Ann finden ihre jeweils ganz eigenen Wege, sich Trost zu holen. Allmählich wird ihnen klar, dass es ihnen gelingen muss, gemeinsam für ihr Kind da zu sein…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Die Schwalben fliegen so hoch, dass man sie kaum sehen kann“ ist die bittersüße, unendlich einfühlsam erzählte Geschichte eines nicht in Worte zu fassenden Verlustes, der eine Familie auseinander zu reißen droht. Åke Edwardson gelingt es, von einer unsäglichen Tragödie zu berichten, ohne dabei in Kitsch oder Pathos zu versinken, sondern vielmehr minutiös zu schildern, was es für Eltern bedeuten mag, wenn von einer Sekunde zur nächsten nichts mehr so ist, wie es zuvor war. Wenn alles aus den Fugen gerät, der Mittelpunkt alles Denkens und Seins auf einmal zu verlöschen droht. All das schildert Edwardson mit unendlich zarten Worten, deutet vieles nur an, um es im Kopf des Lesers weiter wachsen zu lassen. Dabei drückt er nicht ein einziges Mal auf die bei solchen Themen so gern bemühte Tränendrüse, sondern begegnet der Geschichte dieser kleinen Familie mit großer Würde und einem tiefen Respekt.

Der Fokus dieses Romans liegt auf Ann und Johan, einem Elternpaar, das damit klar kommen muss, dass das vertraute Leben von einer Sekunde auf die andere der Vergangenheit angehört, dass dort, wo früher Licht war, plötzlich nur noch Dunkelheit ist. Edwardson beschreibt die jeweils unterschiedlichen Bemühungen dieser beiden, dem Unfassbaren etwas Sinn abzutrotzen und einander trotz allem nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren. Am Schluss bleibt alles auf eine wohltuende Weise offen, wodurch der Autor den Lesern die Möglichkeit gibt, die Geschichte auf ihre jeweils ganz eigene Weise zu Ende zu denken. „Die Schwalben fliegen so hoch, dass man sie kaum sehen kann“ ist ein poetischer, zutiefst nachdenklich stimmender Roman, in dem trotz allem eine unendliche Hoffnung mitschwingt.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen