Trümmerkind

Autor: Mechtild Borrmann
Genre: Roman
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-28137-6
Erscheinungsdatum (D) 02.11.16 Seiten 300

Trümmerkind

Inhalt

Im zerstörten Hamburg der Nachkriegszeit kämpft der vierzehnjährige Hanno Dietz zusammen mit seiner Mutter Agnes und der kleinen Schwester Wiebke ums Überleben. Steineklopfen, Altmetallsuchen und Schwarzhandel gehören im Jahrhundertwinter 1946/47 zu Hannos Alltag. Eines Tages entdeckt er auf seiner Erkundungstour durch sein Viertel eine nackte Tote in den Trümmern. Nicht weit von ihr entfernt findet Wiebke einen völlig verängstigten, etwa drei Jahre alten Jungen, der kein Wort spricht. Zunächst widerwillig nimmt Agnes den Kleinen bei sich auf, doch bald schon wächst Joost, wie sie ihn nennen, der Familie ans Herz und Agnes beschließt, ihn nicht wieder herzugeben.

Jahre später wird Joost mit seiner Vergangenheit und Herkunft konfrontiert, als er, mittlerweile ein erfolgreicher Architekt, beauftragt wird, Gut Anquist, einen ehemaligen Gutshof in der Uckermark, zu restaurieren. Durch einen schicksalhaften Zufall lernt er hier Anna Meerbaum kennen, die auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Familie ist. Seit sie denken kann, schweigt ihre Mutter beharrlich, wenn die Sprache auf Gut Anquist, den Ort ihrer Kindheit, kommt. Anna weiß nichts über die Umstände der Flucht ihrer Mutter im Jahr 1946, und allmählich scheint es so, dass sich auf Gut Anquist der Kreis sowohl für sie, als auch für Joost schließen könnte…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Trümmerkind“ ist einer jener vielen Romane, die sich dieser Tage mit der Kriegsvergangenheit unserer Eltern und Großeltern – und damit mit einem wichtigen Teil unserer eigenen Geschichte – beschäftigt. Mechthild Borrmann erzählt hier eine zutiefst bewegende und durch und durch authentische Geschichte auf äußerst eindringliche und einfühlsame Weise. Beeindruckend ist vor allem, mit welcher Leichtigkeit es ihr gelingt, dabei den Zusammenhang zwischen den Verdrängungsmechanismen der Eltern und Großeltern und den seelischen Wunden derer Kinder und Enkelkinder herzustellen. Es ist ein beinahe magischer Moment, als Anna erkennt, dass der schwarze Hund der Angst, der sie ihr ganzes Leben lang begleitet, gar nicht zu ihr selbst, sondern vielmehr zu ihrer Mutter gehört. Diese Schlüsselszene ist so etwas wie die Essenz dieses Romans, die stille und so einfache Erkenntnis, die dieser Geschichte zugrunde liegt: Erst wenn es uns gelingt, die Traumata unserer Vorfahren zu erkennen, kann es uns möglich werden, Ängste, die gar nicht zu uns, sondern vielmehr zu ihnen gehören, endlich loszulassen.

Neben diesen wichtigen und essentiellen Erkenntnissen bietet „Trümmerkind“ aber auch einen hoch spannenden Kriminalfall, der uns in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt und bis zum Schluss für Gänsehaut sorgt. Zudem bietet Mechthild Borrmann einen bewegenden und erschütternden Einblick in die harten Nachkriegsjahre, die vor allem von Hunger, Kälte und knallhartem Überlebenskampf geprägt waren. „Trümmerkind“ ist ein äußerst vielschichtiger und facettenreicher Roman, der uns und unsere Vergangenheit ganz unmittelbar berührt und noch sehr lange nachhallt.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen