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Kommende Buchkritiken
Der Zementgarten
The Cement Garden
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Autor
Ian McEwan
Genre Roman
Verlag Diogenes Verlag ISBN 3-257-20648-8 Übersetzung Christian Enzensberger Erscheinungsdatum (D) 1980 Erschienen 1978 Seiten 206 |
Inhalt
Vier Geschwister im Alter von 6 bis 16 Jahren verlieren kurz nacheinander ihre Eltern. Der pedantische und humorlose Vater stirbt, als er im Begriff ist, den Garten rund um das Haus einzuzementieren. Nur kurze Zeit später stirbt die Mutter der vier an Krebs. Aus Angst, voneinander getrennt in Pflegefamilien oder einem Heim untergebracht zu werden, beschließen die Geschwister, den Tod der Mutter zu verheimlichen. Der 14jährige Erzähler und seine 16jährige Schwester Julie zementieren die tote Mutter im Keller ein. Da die Familie sowieso nie Besuch bekommt, scheint niemand etwas zu bemerken, und so haben die vier Kinder das Haus während der langen Sommerferien ganz für sich allein.
Und da geschieht so einiges: Der halbwüchsige Erzähler gibt sich ständig seinen erotischen Phantasien hin, die nur zu oft von seiner ältesten Schwester handeln. Die wiederum bringt immer öfter ihren älteren Freund mit nach Hause, der die Zustände in dem elternlosen Haushalt mit gemischten Gefühlen betrachtet. Der sechsjährige Tom wird immer wunderlicher – er vermisst seine Mutter am deutlichsten, will am liebsten ein Mädchen sein, beginnt die Kleider seiner Schwestern zu tragen und lässt sich immer mehr wie ein Baby behandeln. Auch Sue versucht auf ihre Art mit dem Tod der Eltern fertigzuwerden – sie beginnt, ihrer toten Mutter Briefe zu schreiben.
Kurz: Äußerst seltsame Verhältnisse, in denen die Geschwister leben. Das findet auch Julies eifersüchtiger Freund und beginnt Nachforschungen anzustellen, die Beunruhigendes ans Tageslicht bringen...
Buchkritik von Stefanie Rufle
Eine herrlich skurrile, spannende und unglaubliche Geschichte die nur so vor schwarzem Humor, Phantasie und derbem Realismus strotzt. Was für ein Erzähler ist dieser Ian McEwan! Er schildert die unglaublichsten Situationen, als seien sie das Normalste auf der Welt. Ihm gelingt es, eine Atmosphäre biederer Beschaulichkeit zu schaffen, hinter der die Abgründe der menschlichen Natur lauern. Eine obskure Spannung zieht sich durch das Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte. Zu seltsam erscheint, was hier geschieht – und doch ist es wiederum so menschlich und normal.
Es gelingt Autor McEwan so meisterhaft, das Verständnis des Lesers für jeden einzelnen der Charaktere zu wecken, dass einem fast die Worte fehlen. Zum Schluss bleibt man grübelnd zurück mit der Frage: Sind diese Kinder nun gut oder böse, ist ihr Handeln zu verurteilen oder nicht?
Wissenswertes
1993 von Andrew Birkin mit Charlotte Gainsbourg und Andrew Robertson in den Hauptrollen verfilmt.
