Blumen für Algernon

Autor: Daniel Keyes
Genre: Science Fiction
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3608960297
Erscheinungsdatum (D) 21.03.15 Erschienen 1966
Seiten 299
Übersetzung Eva-Maria Burgerer

Blumen für Algernon Flowers for Algernon

Inhalt

Charlie Gordon ist ein freundlicher, aber geistig zurückgebliebener junger Mann, der davon träumt, endlich intelligent zu sein. Tagsüber arbeitet er als Hilfsarbeiter in der Bäckerei von Mr. Donner. Drei Mal pro Woche geht er in die Beekman Mittelpunktschule und lernt dort mühsam lesen und schreiben. Ein Forschungsexperiment am örtlichen College könnte für Charlie die Erfüllung seiner Träume bedeuten. Hier haben Professor Nemur und Dr. Strauss an der Maus Algernon ganz erstaunliche Ergebnisse mit der Förderung von Intelligenz durch einen operativen Eingriff erzielt und suchen nun einen menschlichen Versuchskandidaten. Charlie wird genommen und tatsächlich scheint das Experiment zu funktionieren. Aus dem dummen Hilfsarbeiter wird in wenigen Wochen ein Genie. Doch je intelligenter Charlie wird, desto größer werden seine Probleme. Plötzlich erkennt er, dass seine Freunde aus der Bäckerei sich eigentlich immer nur lustig über ihn gemacht haben, und schon bald ist er auch schlauer als seine Mentoren Dr. Strauss und Professor Nemur, was ebenfalls zu Spannungen führt. Lediglich die Maus Algernon ist ein verlässlicher Freund. Doch eines Tages beobachtet Charlie an Algernon besorgniserregende Veränderungen, die auch seine Zukunft überschatten…

Buchkritik von Melanie  Frommholz

Macht uns Intelligenz zu glücklicheren und auch zu besseren Menschen? Eine so spannende wie polarisierende Frage, der der Psychologe und Autor Daniel Keyes bereits 1966 mit seinem Science-Fiction-Roman auf beeindruckende Art und Weise nachging. „Blumen für Algernon“ ist ein zeitlos aktuelles Buch, denn es stellt zeitlos aktuelle Fragen. Es wundert nicht, dass Keyes Roman so auch jenseits der Genregrenzen große Aufmerksamkeit erfuhr. Neben der eindringlich geschilderten persönlichen Entwicklung Charlies, fragt der Autor nach dem Wert von Intelligenz in unserer Gesellschaft. Nach ihrer Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen. Aber auch nach der Bedeutung von elterlicher Liebe und Zuwendung als Basis für die seelische Entwicklung eines Kindes, und er thematisiert die menschliche Hybris, Geltungssucht und die Möglichkeiten wissenschaftlichen Fortschritts. Ein bunter Strauß von Themen, in dessen Zentrum die ganze Vielfältigkeit des menschlichen Verhaltens steht.

Durch den geschickten stilistischen Kniff des Autors – Charlie erzählt seine Geschichte in Tagebuchform – berührt „Blumen für Algernon“ auf besondere Weise. Charlie verfasst Forschungsberichte über seine Entwicklung. Während diese zu Beginn noch vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern strotzen, erkennt der Leser bald auch an der Wortwahl und der Ausdrucksweise, wie sich das Experiment auf Charlies Intelligenz auswirkt. Man ist ihm dadurch stets sehr nahe: seinen Träumen, Ängsten und seinen Höhenflügen und Abstürzen. Man begleitet ihn in seinem Unvermögen auch emotional in der Geschwindigkeit zu wachsen, in der sein IQ steigt. Daniel Keyes zeigt meisterlich, dass es für ein erfülltes Leben eben nicht reicht, ein Genie zu sein. Der Mensch definiert sein Glück auch darüber, ob er Teil einer Gemeinschaft ist, einer Beziehung. Und dafür braucht es emotionale Reife und diese braucht Zeit.

„Blumen für Algernon“ vereint viele unterschiedliche Facetten in sich. Eine, die besonders im Gedächtnis bleibt, ist der Umgang der Eltern – insbesondere der Mutter - mit dem kleinen, geistig zurückgebliebenen Charlie. Meisterlich zeichnet Daniel Keyes die ehrgeizig-verbissene Mutter Rose, die um jeden Preis der Welt ein normales Kind will, nur damit die Leute nicht reden und dabei völlig aus den Augen verliert, was ihr Sohn eigentlich benötigt: Liebe, Geduld und Zuneigung. Doch er bekommt Druck und erfährt Ausgrenzung und schließlich Abschiebung. Nicht alle Figuren sind so eindringlich und gelungen gezeichnet wie die Mutter. Viele Charaktere bleiben eher Stereotype und doch oberflächlich. Letztlich schadet dies der Wirkung des Buches und seiner Botschaft aber nicht wesentlich. Gebannt verfolgt man Charlies ungewöhnliche Reise und ist tief berührt von seinem Schicksal.

In einer Zeit, in der unsere Kinder in Schulen und Universitäten wie in Fabriken schuften, immer schneller immer mehr Wissen anhäufen sollen, bleiben die Zeit für Lebenserfahrungen und die Entwicklung der Seele oft auf der Strecke. Doch was für Menschen „produziert“ dieses System? Und was bedeutet das für den Umgang einer Gesellschaft mit nicht ganz so schlauen Kindern? „Blumen für Algernon“ leistet hier auch heute noch wertvolle Denk- und Diskussionsanstöße.

Die Daten beziehen sich auf die Neuauflage des Buches im Klett-Cotta-Verlag aus dem Jahr 2015.

Der Autor Daniel Keyes verstarb im Jahr 2014 im Alter von 86 Jahren.

Das Buch wurde 1968 unter dem Titel "Charly" mit Cliff Robertson in der Hauptrolle verfilmt. Dieser gewann für seine Dartsellung den OSCAR als bester Hauptdarsteller.



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