Alles erlaubt?

Autor: Nele Moost (Text), Annet Rudolph (Bilder)
Genre: Bilderbuch
Verlag: Esslinger Verlag Schreiber
ISBN: 3-480-21847-4
Erscheinungsdatum (D) 1997 Seiten 28

Alles erlaubt?

Inhalt

Der kleine Rabe benimmt sich beim Festessen seines Freundes Dachs ziemlich daneben. Aus Angst, nicht genügend Spaghettisoße abzubekommen, spuckt er kurzerhand in die Soßenschüssel, um so die anderen Tiere vom Weiteressen abzuhalten. Als Frau Dachs versucht, die Situation zu retten, springt der kleine Rabe voller Wut in die Schüssel. Das geht natürlich zu weit - Frau Dachs schickt den kleinen Raben nach Hause und droht an, dass er keine Geburtstagsgeschenke bekommen wird, wenn er nicht ab sofort das bravste Tier im Wald wird. Unter lautem Geschimpfe macht sich der kleine Rabe aus dem Staub, überlegt sich dann aber zu Hause, was Bravsein eigentlich bedeutet. In der Nacht hat er einen fürchterlichen Traum – alle seine Geschenke fliegen ihm einfach davon. Am nächsten Morgen beschließt der Rabe, etwas zu unternehmen, damit ihm seine Geschenke nicht durch die Lappen gehen.
Nach und nach befragt er alle seine Freunde zum Bravsein und bekommt die unterschiedlichsten Antworten: Immer tun, was die Mama sagt, aufessen, sich waschen, bitte und danke sagen, nicht hauen, vor dem Essen die Hände waschen, nicht spucken, beißen, treten, widersprechen, nicht in der Nase bohren. Das also ist Bravsein – der kleine Rabe lernt die ganze Liste auswendig und fühlt sich dann bereit für den Test bei Frau Dachs, den er mit Bravour besteht. Zur Belohnung darf sich der Rabe etwas wünschen und das tut er dann auch: Er wünscht sich ein Nix-ist-verboten-Fest zu seinem Geburtstag, an dem jeder machen darf, was er will. Und das bekommt er dann auch.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

In dieser neuen Geschichte vom kleinen Raben soll nun also den Kindern vermittelt werden, wie erstrebenswert es doch ist, "brav" zu sein. Aber nicht etwa aus sozialen Gesichtspunkten soll erwägt werden, sich gut zu benehmen, nein auf die vielen Geschenke kommt es an. Und für die tut man ja schließlich in der heutigen Zeit fast alles. Wir versuchen, unsere Kinder mehr vom Materialismus weg zu erziehen, ihnen wieder andere Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt zu vermitteln und hier erfahren sie also: Ich mache alles, was die Erwachsenen verlangen, Hauptsache, ich bekomme am Ende meine Geschenke. Tolle Motivation!

Und auch der eigene Verstand ist in dieser Geschichte offensichtlich nicht gefragt, der kleine Rabe soll schließlich nicht hinterfragen, ob dieses angebliche "Bravsein" tatsächlich so erstrebenswert ist. Hauptsache ich sage bitte und danke, schnauze aber meine Freunde an, wenn sie mir helfen wollen – und das soll soziales Verhalten sein?

Das einzige, was an dieser Geschichte sympathisch ist, ist die Art und Weise, wie der kleine Rabe die moralisierende Frau Dachs zum Schluss austrickst. An seinem Fest dürfen alle Tiere dann doch noch das machen, was so richtig Spaß macht, nämlich schmatzen, soviel essen, bis man fast platzt und sich von oben bis unten beschmieren.

Allen Eltern die denken, ihren Kindern mit diesem Bilderbuch wichtige Werte für das soziale Zusammenleben zu vermitteln kann man aber nur raten: Finger weg!

Die Reihe umfasst folgende Bände:


Alles meins!
Macht ja nix!
Alles wieder gut!
Alles echt wahr!
Alles verzankt!
Alles gefunden!

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen