Alles meins!

Autor: Nele Moost (Text), Annet Rudolph (Bilder)
Genre: Bilderbuch
Verlag: Esslinger Verlag Schreiber
ISBN: 3-480-20040-0
Erscheinungsdatum (D) 1996 Seiten 24

Alles meins!

Inhalt

Der kleine Rabe muss einfach alles haben, was ihm gefällt. Es ist ihm egal, ob er seine Freunde bestiehlt, er kann nicht anders. Ob er nun dem Igel seinen Teddy stiehlt, dem Wildschwein die Rollschuhe, der Eule die schöne Kette – ihm ist kein Trick zu gemein, für keine Gemeinheit ist er sich zu schade. Dem Hasen droht er Gewalt an, um dessen weiches Kissen zu bekommen, die Spieluhr des Fuchses manipuliert er, damit dieser glaubt, sie sei kaputt und sie ihm freiwillig gibt. Munter beklaut der kleine Rabe das Schaf, vermiest dem Wolf den Spaß an dessen neuem Auto und kommt durch einen Trick an das Buch des Dachses. Dem Bären täuscht er Zahnschmerzen vor, bis dieser Mitleid mit dem Raben bekommt und ihm sein Dreirad schenkt.
So sitzt dann der kleine Rabe mit all den ergaunerten Sachen auf seinem Baum und traut sich nicht mehr herunter, aus Angst, er könne bestohlen werden. Aber bald wird es ihm langweilig, er würde gerne wieder mit seinen Freunden spielen. Teilen möchte er seine Schätze zwar nicht, er erkennt aber, dass alleine Spielen keinen Spass macht. So zeigt er seinen Freunden die tollen Spielsachen, die er "gefunden" hat und gemeinsam spielen sie dann alle damit.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Nach der letzten Seite blättert man weiter, in der Erwartung, dass nun endlich die Konsequenz für den kleinen Raben kommen möge. Aber da ist nichts! Dieser freche Dieb kommt doch mit seiner Dreistigkeit wahrhaftig durch und erlebt keinerlei negative Resonanz auf sein Verhalten. Da kann man also seine Freunde bestehlen, sie täuschen, ihnen übel mitspielen und ist zum Schluss tatsächlich noch der Gewinner. Und ein solches Bilderbuch sollen nun also Eltern ihren Kindern vorlesen – Zielgruppe sind hierbei wohl die 3 – 6jährigen. Ein Kind in diesem Alter wird sich sofort mit der Figur des kleinen Raben identifizieren, denn schließlich kennt jedes Kind dieses Gefühl, gerne Dinge haben zu wollen, die ihm nicht gehören. Kinder dieses Alters können auch noch nicht unterscheiden zwischen "Dein" und "Mein" – da ist es ganz natürlich, dass auch mal Dinge in die Hosentasche wandern, die eigentlich einem Spielkameraden gehören. Nur darf das Kind dann nicht erleben, dass das schon in Ordnung ist, sondern ihm muss klargemacht werden, dass es dem anderen dessen Eigentum zurückgeben muss. Durch eine solche Konsequenz lernt das Kind irgendwann den Unterschied zwischen dem, was ihm gehört und dem, was anderen gehört.
Nun fühlt das Kind in dieser Geschichte aber mit dem kleinen Raben und sieht, dass dessen Verhalten offenbar völlig korrekt ist und seine Freunde zum Schluss sogar wieder mit ihm spielen, ohne ihre Sachen zurückzufordern – das ist beinahe schon gefährlich. Nur wer im Gespräch mit Kindern intensiv erarbeitet, dass sich der kleine Rabe falsch verhalten hat, sollte ihnen dieses Buch zeigen. Ohne irgendwelche zusätzlichen Erklärungen ist dieses Bilderbuch nicht für Kinder geeignet.
Das eine "B" hat das Buch nur wegen der wirklich bezaubernden, humoristischen Zeichnungen erhalten und weil es für Erwachsene ganz amüsant ist. Für ein Kinderbuch bleibt nur eines zu sagen: Thema verfehlt!

Die Reihe umfasst folgende Bände:

Alles erlaubt?
Macht ja nix!
Alles wieder gut!
Alles echt wahr!
Alles verzankt!
Alles gefunden!

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen