Abschied von Sansibar

Autor: Lukas Hartmann
Genre: Historischer Roman
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06867-2
Erscheinungsdatum (D) 28.08.13 Seiten 336

Abschied von Sansibar

Inhalt

Die arabische Prinzessin Salme von Sansibar verließ im Jahr 1866 aus Liebe zum Hamburger Kaufmann Heinrich Ruete ihre Heimat. Sie nahm den Namen Emily Ruete an, konvertierte zum christlichen Glauben und ließ alles, was sie vorher ausmachte, hinter sich. Mit Heinrich bekam Emily drei Kinder, doch das Eheglück währte nur kurz. Auf tragische Weise verstarb Heinrich viel zu früh und ließ die Witwe mit drei kleinen Kindern in einem für sie völlig fremden Land zurück. Emilys Kinder Said, Antonie und Rosalie erfuhren nur fragmentarisch, wer ihre Mutter tatsächlich war, welches Leben sie vor dem Bruch mit ihrem Elternhaus geführt hatte.
Nach Heinrichs Tod versucht Emily alles, um eine Versöhnung mit ihrem älteren Bruder, der nun der Sultan von Sansibar ist, herbeizuführen. Denn längst ist das einstige Vermögen ihres verstorbenen Mannes aufgebraucht und der Familie droht bittere Armut. Doch viel zu spät muss die Witwe erkennen, dass sie und ihr Sohn Said zum Spielball in Deutschlands Ränkespiel um die Insel Sansibar geworden sind…

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Wie kein anderer versteht es der Schweizer Autor Lukas Hartmann, Geschichte jenseits der oftmals zum Einheitsbrei verkommenen historischen Romane zu erzählen. Auch „Abschied von Sansibar“ hebt sich wohltuend von den ewig gleichen Motiven des Genres ab und erzählt auf ganz besondere Weise die wahre Geschichte der Prinzessin von Sansibar und der Tragödie ihres Lebens. Großartig recherchiert ist dieser Roman, der auf Fakten aufbaut und biographische Lücken schlüssig und fantasievoll auffüllt. Besonders berührend sind dabei die Auszüge aus einem Brief zu Anfang jedes Kapitels, den Emily Ruete an ihren Halbbruder Sultan Bargash schrieb. Es gelingt Hartmann, die Figur der Emily Ruete stets in einem Zustand der Schwerelosigkeit erscheinen zu lassen, der es auch ihren Kindern unmöglich gemacht haben dürfte, ihre Mutter wirklich zu kennen.

Das Leben zwischen Orient und Okzident, Islam und Christentum und den bitteren Bruch zwischen königlicher Abstammung und drohender Armut arbeitet Hartmann messerscharf heraus und macht deutlich, welch großes Opfer tatsächlich hinter Emily Ruetes Verzicht auf ihre Herkunft gelegen haben muss. Vor allem die im Kaiserreich herrschende eiserne Disziplin bildet hierbei einen scharfen Kontrast zur sinnlichen Exotik des Orients.
Mit „Abschied von Sansibar“ beweist Lukas Hartmann einmal mehr, dass er einer der ganz großen Geschichtenerzähler ist, der die Vergangenheit für seine Leser erlebbar machen kann.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen