Der alte König in seinem Exil

Autor: Arno Geiger
Genre: Erlebnisbericht
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-14154-3
Erscheinungsdatum (D) 01.11.12 Seiten 192

Der alte König in seinem Exil

Inhalt

Mit „Der alte König in seinem Exil“ stellt sich Arno Geiger seinem Vater, der an Alzheimer erkrankt ist. Innerhalb der Zeilen schreibt er den Krankheitsverlauf seines Vaters nieder, beschreibt seine persönliche Rolle als Sohn an der Seite eines Vaters, dessen Demenz immer stärker wird und wirft einen Blick in die Vergangenheit des Vaters. Dabei formt sich allmählich das Bild eines Menschen, der trotz Alzheimer immer wieder sehr wache Momente hat und der mit viel Charme und unbekanntem Witz durch das neue, ihm oft unbekannte Leben geht. Ein Leben, das es noch immer wert ist, gelebt zu werden.

Buchkritik von Kathrin  Lang

Mit „Der alte König in seinem Exil“ setzt sich Arno Geiger mit einem Thema auseinander, das in den vergangenen Jahren nicht nur literarisch schon einige Male verarbeitet wurde (u.a. „Small World“, Martin Suter), sondern vor allem auch in der Gesellschaft immer mehr Platz einnahm: Alzheimer, die Volkskrankheit einer alternden Gesellschaft. Besondere Brisanz und Tiefe gewinnen Arno Geigers Zeilen, weil er als Sohn eines dement kranken Vaters schreibt und seine Erzählung zwar sehr literarisch ist, letztlich aber eher Erlebnisbericht als Roman ist. Der Autor zeichnet das Krankheitsbild seines Vaters nach und wirft auf der ebenso sanften, wie häufig auch direkten Auseinandersetzung mit der Krankheit auch einen Blick auf dessen Biografie. Arno Geiger stellt jedoch auch sich selbst immer wieder stark in den Vordergrund, um die Auswirkungen der Krankheit seines Vaters auf sich selbst zu reflektieren.

Entgegen aller Erwartungen entsteht dabei allmählich ein sehr positives Bild einer schlimmen Krankheit. „Der alte König in seinem Exil“ sucht und findet in der eigentlichen Dramatik immer wieder das Schöne und vermittelt glaubhaft und ehrlich, dass Demenz nicht nur Schattenseiten hat. Den Weg dorthin geht Geiger sehr sanft. Immer wieder merkt man, dass der Autor selbst auf der Suche nach Antworten ist und dass der Schreibprozess als solcher viel dazu beiträgt, dass er diese findet. Die direkte Auseinandersetzung führt Arno Geiger zu sehr differenzierten Betrachtungsweisen, die es dem Leser einfach machen, sich ganz allmählich selbst ein Bild und eine Meinung zu formen.

„Der alte König in seinem Exil“ avancierte schnell zu einem Bestseller und das ganz offensichtlich nicht nur, weil ein Thema behandelt wird, das viele Menschen beschäftigt, sondern weil Arno Geiger eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit sich und seiner Familie öffentlich führt und damit nicht nur für Hochachtung sorgt, sondern einen hilfreichen Beitrag zum Thema abliefert.

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