So bitterkalt

Sankta Psyko

So bitterkalt

Autor Johan Theorin Genre Krimi
Verlag Piper
ISBN 978-3-492-05551-2
Übersetzung Susanne Dahmann Erscheinungsdatum (D) 10.09.12   
Erschienen 2011  Seiten 480

Inhalt

Jan Hauger ist Erzieher, ein Einzelgänger, der keine Freunde hat und alles daran setzt, dass ein dunkler Fleck in seiner Vergangenheit nie wieder ans Tageslicht kommt: Bei seiner ersten Anstellung in einer Tagesstätte ging ein kleiner Junge, der sich in seiner Obhut befand, verloren und tauchte erst einige Tage später wieder auf. Nun bewirbt sich Jan in Valla, einem Ort an der schwedischen Westküste, in einer Vorschule und wird, dank seiner glänzenden Zeugnisse und einem Mangel an anderen geeigneten Bewerbern, sofort eingestellt. Doch die Tagesstätte in Valla hat eine besondere Eigenheit: Dort werden die Kinder von Insassen der direkt nebenan gelegenen psychiatrischen Klinik betreut. Durch einen unterirdischen Gang ist die Vorschule mit der Klinik verbunden, um den Kindern regelmäßigen Kontakt mit ihren teilweise als hochgefährlich eingestuften Eltern zu ermöglichen.

Dieser Umstand kann Jan jedoch nicht abschrecken, er hat im Gegenteil ganz eigene Motive, die ihn nach Valla und in die unmittelbare Nähe der psychiatrischen Klinik geführt haben. Bald schon beginnt er, die strengen Regeln und Verbote, die für das Personal der Tagesstätte gelten, zu umgehen, denn er fühlt sich von einem der Klinikinsassen magisch angezogen…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 6 von 5 Bs Der schwedische Autor Johan Theorin, der mit seinem „Öland-Quartett“ bereits ein breites Krimipublikum in seinen Bann zog, legt mit „So bitterkalt“ seinen ersten Kriminalroman außerhalb der „Öland“-Reihe vor – und überzeugt auf ganzer Strecke! Selten bekommt man einen Krimi in die Hände, der über eine derartige atmosphärische Dichte verfügt, dass es schwer fällt, aus der Handlung heraus wieder in die eigene Realität zurückzufinden. Johan Theorin gelingt es scheinbar mühelos und ohne jegliche Anstrengung, eine Geschichte zu erzählen, die den Leser einfach nicht mehr loslassen will. Seine Hauptfigur, der scheue Erzieher Jan, der offenbar ein dunkles Geheimnis verbirgt, geht von der ersten Seite an unter die Haut, fasziniert und stößt gleichermaßen ab und lässt eine innerliche, durchdringende Dunkelheit erahnen, die permanente Gänsehaut verursacht.

Theorin hält die Fäden absolut sicher in der Hand, er lässt den Leser immer nur genau so viel wissen, wie nötig ist und verheimlicht mehr, als zu verraten. Das verursacht eine psychologische Hochspannung, die gegen Ende kaum noch auszuhalten ist. In der Zeichnung seiner Figuren ist der Schwede ein wahrer Künstler, er erschafft Charaktere, die authentisch und teilweise so abgrundtief böse agieren, dass man jegliches Vertrauen in die Menschheit verlieren könnte. Hier stimmt einfach alles – und geht noch über das übliche Maß, an dem man einen guten Krimi misst, hinaus. „So bitterkalt“ macht deutlich, welch virtuoser Autor Johan Theorin ist – einer, der die tiefsten menschlichen Abgründe kennt und es versteht, seine Leser absolut fesselnd daran teilhaben zu lassen – und das bis zum bitteren Ende.

Wissenswertes

„So bitterkalt“ ist Johan Theorins erster Kriminalroman außerhalb des „Öland-Quartetts“, das ebenfalls beim Piper-Verlag erscheint.

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