Lebenslang Lebensborn - Die Wunschkinder der SS und was aus ihnen wurde

Autor: Dorothee Schmitz-Köster, Tristan Vankann
Genre: Erlebnisbericht
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05533-8
Erscheinungsdatum (D) 10.09.12 Seiten 384

Lebenslang Lebensborn - Die Wunschkinder der SS und was aus ihnen wurde

Inhalt

Der Rassenwahn im Dritten Reich sollte in den Lebensborn-Einrichtungen perfektioniert werden: Dort sollten Kinder aufwachsen, die zu Musterexemplaren der „rein arischen Rasse“ erzogen wurden. Frauen und Männer, die dem Ideal dieser Rassenvorstellung entsprachen, wurden ermuntert, Kinder für das Deutsche Reich zu „produzieren“, die in den Lebensborn-Heimen mit offenen Armen aufgenommen wurden. Viele Kinder, die den Idealen der SS entsprachen, wurden ihren Eltern entrissen, zwangsgermanisiert und der SS-Organisation übergeben. So sollte die „arische Rasse“ vergrößert werden, eine neue Elite sollte entstehen, die das Ziel von einem „Großgermanischen Reich“ in greifbare Nähe rückte.

18.000 Kinder waren von diesem Rassenwahn betroffen, Frauen und Männer, die oftmals bis heute nichts von ihrer Herkunft wissen oder nicht darüber sprechen wollen. Die Journalistin Dorothee Schmitz-Köster sprach mit neunzehn Betroffenen und zeigt an ihnen beispielhaft das Schicksal von Menschen, die ihrer Geschichte und Vergangenheit beraubt wurden.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

„Die Wunschkinder der SS und was aus ihnen wurde“
Der Untertitel dieses bewegenden Buches zeigt die große Last auf, die mit der Tatsache einhergehen muss, ein „Lebensborn-Kind“ zu sein. Dorothee Schmitz-Köster macht in ihren bewegenden und zugleich sehr eindringlichen Porträts deutlich, mit welchem Stigma sich betroffene Menschen behaftet fühlen müssen und wie schwer es sein muss, sich mit der eigenen Vergangenheit im Lebensborn auseinanderzusetzen. Zugleich gibt sie Menschen eine Stimme, die Opfer einer verhängnisvollen Politik wurden, die deren Biographie unwiederbringlich beeinflusste. Es sind ganz unterschiedliche Spuren, die Lebensborn bei diesen Menschen hinterlassen hat, doch Spuren wurden bei allen Porträtierten hinterlassen, Spuren, die oftmals erst jetzt, im Alter, deutlich werden. Bei jedem äußern sich diese Spuren anders, beim einen sind sie tiefer eingegraben, beim anderen verheilen sie besser. Fakt ist, dass die Lebensborn-Politik der SS bis heute kaum Thema in unserer Gesellschaft ist und wenn ja, dann oftmals unter nebulösem Hintergrundwissen, das schon ins Reich der Legenden abdriftet. Gerade deshalb ist dieses Buch so wichtig, verleiht es doch denen einen Stimme, die Lebensborn wirklich erlebt haben, die dadurch eine Chance bekommen, Legende mit Fakten zu entkräften.

Schmitz-Köster zeigt in Verbindung mit den berührenden Porträtaufnahmen des Fotografen Tristan Vankann, was es für einen Menschen bedeutet, wenn ein Teil seiner Biographie im Dunkeln bleibt, ja, gar nicht sein darf. Gerade heutzutage wissen wir um die psychischen Folgen von Verdrängung und Abspaltung, und vielleicht ist „Lebenslang Lebensborn“ eine Ermutigung für Betroffene, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Zugleich macht die Autorin darauf aufmerksam, dass auch in der heutigen Zeit erneut die Gefahr besteht, Kinder ihrer Biographien zu berauben, wenn sie etwa durch künstliche Reproduktion entstehen. Ihr Anliegen ist es, Strategien zu entwickeln, damit diese Kinder nicht erneut in die „Schweigefalle“ geraten, wie das bei den Lebensborn-Kindern geschah. Somit ist „Lebenslang Lebensborn“ nicht nur ein gut recherchiertes und einfühlsam geschildertes Porträt einer dunklen und oftmals unmenschlichen Zeit, sondern zugleich ein Blick nach vorne in der Hoffnung, dass die gleichen Fehler nicht noch einmal gemacht werden

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