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Die leere Wiege
The Woman before me
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Autor
Ruth Dugdall
Genre Krimi
Verlag Piper ISBN 978-3-492-27282-7 Übersetzung Gabriele Weber-Jarić Erscheinungsdatum (D) 16.07.12 Erschienen 2010 Seiten 368 |
Inhalt
Rose Wilks wurde nie vom Leben verwöhnt. Nach dem Selbstmord ihrer Mutter muss sie hinnehmen, dass der Vater schnell wieder heiratet – eine Frau, die Rose zutiefst verabscheut. Die Jahre, die sie daraufhin bei ihrer Tante verbringt, sind wohl ihre glücklichsten – bis auch die geliebte Tante stirbt und Rose daraufhin völlig auf sich gestellt ist. Erst als sie Jason kennen lernt, scheint ihr Leben endlich einen Sinn zu bekommen. Mit einer fast schon abgöttischen Liebe hängt sich die unscheinbare junge Frau an diesen äußerst attraktiven Mann, der allerdings nie ein Geheimnis daraus macht, dass sein Herz immer noch seiner geschiedenen Frau gehört. Dann wird Rose schwanger und fast sieht es so aus, als könnten sie, Jason und das Baby eine glückliche Familie werden. Doch plötzlich läuft alles aus dem Ruder, Rose’ Sohn kommt schwer krank zur Welt und stirbt schließlich – für Rose bricht eine Welt zusammen, sie wird mit diesem schrecklichen Verlust einfach nicht fertig.
Dann lernt sie Emma Hatcher im Krankenhaus kennen, die offenbar alles hat, was Rose sich je gewünscht hat: einen Ehemann, der sie vergöttert und einen gesunden Sohn, der fast zur gleichen Zeit zur Welt kam wie Rose’ Baby. Die beiden unterschiedlichen Frauen freunden sich an und bald schon ist Rose regelmäßig die Babysitterin des kleinen Luke, den sie liebt, als wäre er ihr eigener Sohn. Doch eines Nachts kommt es zur Katastrophe: Im Haus der Hatchers bricht ein Feuer aus und Luke erstickt. Als Brandursache wird eine Zigarette ermittelt und sofort fällt der Verdacht auf Rose…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Mit „Die leere Wiege“ präsentiert die Britin Ruth Dugdall einen düsteren und unglaublich verstörenden Debütroman, dessen beklemmender Sogwirkung man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Auf äußerst authentische Weise rollt sie diese tragische Geschichte von hinten auf, beginnt mit dem schrecklichen Finale, das das Ergebnis eines traurigen Lebens ist und zugleich den Wendepunkt für dasselbe bedeutet. Es gelingt ihr, Rose als eine tragische Figur zu zeichnen, die einem aber trotz allen Mitgefühls, das man eigentlich für sie empfinden sollte, nie wirklich sympathisch wird. Im Gegenteil fürchtet man sich eher ein wenig vor dieser undurchsichtigen Protagonistin, die ein zunehmend obsessives Verhalten an den Tag legt. Doch nicht nur bei Rose, sondern auch bei allen anderen Figuren, ist Dugdall eine ungewöhnlich präzise und genaue Charakterzeichnung gelungen, die komplett auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Es geht ihr ganz offensichtlich um die Zwischentöne, um das Zusammenfügen einzelner Puzzleteile zu einem stimmigen Ganzen.
In „Die leere Wiege“ zeigt Ruth Dugdall, wie leicht es ist, eine Person aufgrund verschiedener Indizien zu verurteilen, ohne die wahren Hintergründe zu kennen. Eindringlich macht sie deutlich, wie schnell und vor allem unwiderruflich das Leben eines Menschen zerstört werden kann, wie sehr Kindheit und Jugend uns prägen und in eine bestimmte Richtung lenken können. Auch wenn die Erzählform es nicht immer leicht macht, der Geschichte zu folgen, ist „Die leere Wiege“ doch ein spannender, packender und zugleich tieftrauriger Debütroman, mit dem Ruth Dugdall von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt.

