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Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims
My Sister lives on the Mantelpiece
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Autor
Annabel Pitcher
Genre Roman
Verlag Goldmann ISBN 978-3-442-31253-5 Übersetzung Sibylle Schmidt Erscheinungsdatum (D) 21.05.12 Erschienen 2011 Seiten 224 |
Inhalt
Jamie ist zehn Jahre alt und lebt mit seinem Vater und seiner fünfzehnjährigen Schwester Jasmine im Lake District. An seine Schwester Rose kann Jamie sich kaum noch erinnern, ihre Asche steht, seit sie vor fünf Jahren bei einem terroristischen Anschlag in London ums Leben kam, auf dem Kaminsims der Familie. Jamies Vater ist völlig in seiner Trauer um Rose versunken, er trinkt und ist nicht mehr in der Lage, für seine beiden lebenden Kinder da zu sein. Jamies Mutter konnte das irgendwann nicht mehr ertragen, sie lebt nun mit einem anderen Mann zusammen und hat ihr altes Leben weit hinter sich gelassen. Zu seinem zehnten Geburtstag bekommt Jamie per Post ein Spider-Man-T-Shirt von seiner Mutter – das er von nun an ununterbrochen trägt, weil er hofft, dass sie ihn bald besuchen kommen wird, um ihn darin zu bewundern. Die einzige, die sich um Jamie kümmert, ist Jasmine, doch auch sie hat ihre eigenen Sorgen und Nöte.
Dann lernt Jamie in seiner neuen Schule Sunya kennen, und die beiden freunden sich miteinander an. Das Problem dabei ist, dass Sunya Muslimin ist – und seit dem Bombenanschlag hasst Jamies Vater Muslime zutiefst, denn in seinen Augen sind sie alle Schuld an Rose’ Tod. Doch Sunya ist die einzige, die Jamie das Gefühl gibt, dass doch wieder alles gut werden könnte – und noch immer glaubt er fest daran, dass die Familie, die er verloren hat, eines Tages wieder zueinander finden könnte…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Die Bücher, die einen so tief berühren, dass man beim Lesen gleichzeitig weinen und lachen muss, sind nur sehr spärlich gesät, doch „Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims“ gehört ganz eindeutig zu dieser Kategorie. Dieses Buch geht derart unter die Haut, dass man irgendwann regelrecht mit Jamies Geschichte verschmilzt. Es ist anrührend, abgrundtief traurig, unglaublich komisch und zutiefst beeindruckend, wie der zehnjährige Jamie mit seinem Schicksal umgeht. Es gelingt Annabel Pitcher, eine durch und durch tragische Geschichte ohne jegliche Gefühlsduselei zu erzählen, was dazu führt, dass sie einen direkt ins Herz trifft. Auf einfühlsame Weise schildert die Autorin, was es für eine Familie bedeutet, wenn ein Kind stirbt und konzentriert sich dabei hauptsächlich auf die Situation der Geschwister. Es ist ein brutales und äußerst deprimierendes Szenario, was sich hier auftut: Die Mutter verlässt nicht nur ihren Ehemann, sondern auch ihre beiden Kinder, der Vater wird zum Trinker und ist nicht mehr in der Lage, für die Kinder da zu sein. Nach deren Verlust und Trauer fragt indes niemand, sie müssen nicht nur mit dem Tod der Schwester fertig werden, sondern mit einer auseinander brechenden Familie, mit dem Verlust von Geborgenheit, Wärme und Vertrauen.
Dennoch ist „Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims“ kein abgrundtief trauriger und deprimierender Roman, sondern vielmehr eine Geschichte voller Humor und Hoffnung. Jamie ist eine Figur, die man vom ersten Moment an in sein Herz schließt, Pitcher schildert seine Gedanken, Ängste und Träume derart authentisch, dass man beinahe glaubt, ihn schon lange zu kennen. Doch auch in der Zeichnung ihrer weiteren Charaktere überzeugt die Autorin restlos und entwirft das Bild einer Familie, die an einem großen Verlust zu zerbrechen droht.
„Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims“ ist ein überwältigender Roman, der den Leser genau am richtigen Punkt erreicht – ein Buch, das man so schnell nicht wieder vergessen wird.
