Der Wald wirft schwarze Schatten

Under de dype skyggene av løvtunge trær

Der Wald wirft schwarze Schatten

Autor Kari Braenne Genre Thriller
Verlag Rowohlt Polaris
ISBN 978-3-86252-023-7
Übersetzung Anne Helene Bubenzer, Dagmar Lendt Erscheinungsdatum (D) 02.05.12   
Erschienen 2010  Seiten 352

Inhalt

Die alte Evelyn lebt schon viele Jahre allein in ihrem heruntergekommenen Häuschen auf einem steilen Hügel Oslos. Als ihr fünfundachtzigster Geburtstag naht, wird Evelyns innere Unruhe immer größer. Sie möchte ihren Sohn Wilhelm noch einmal sehen, der seit über dreißig Jahren in den USA lebt. Ihm und ihrem Enkelsohn Robin, den sie zuletzt gesehen hat, als er ein ganz kleiner Junge war, möchte sie etwas mitteilen. Es hat mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun, mit Wilhelms großer Liebe und einem finsteren Geheimnis, das eine kleine Hütte, tief im undurchdringlichen Wald der Hedmark zum Ausgangspunkt hat.

Wilhelm ahnt nichts Gutes, als er widerstrebend seine Reise nach Norwegen und in die eigene Vergangenheit antritt, hat er doch nichts unversucht gelassen, um die alte Waldhütte und seine Mutter aus seiner Erinnerung zu verbannen. Auch der Schauspieler Robert weiß nicht so recht, was er mit dem Brief einer ihm unbekannten alten Dame und der darin enthaltenen Landkarte und einem geheimnisvollen Schlüssel anfangen soll. Doch schließlich finden sie sich alle dort ein, wo der dunkle Abgrund ihrer Vergangenheit auf sie lauert…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Ganz im Stil großer skandinavischer Erzähler wie Kerstin Ekman oder Leena Lander lässt die Norwegerin Kari Braenne eine finstere und mysteriöse Geschichte voller Melancholie und dunkler Geheimnisse entstehen, die mit jeder Seite weiter wächst und schroffe Charaktere und raue Landschaften vor dem inneren Auge des Lesers ausbreitet. In äußerst nüchterner Sprache gelingt es der Autorin, einen Sog zu entwickeln, der den Leser unaufhaltsam in die Vergangenheit hineinzieht. Auch wenn es einige Zeit dauert, bis man Zugang zum Erzählstil der Autorin und den eigenwilligen Figuren findet, kann man sich später kaum mehr von den dramatischen Ereignissen lösen. Was zu Anfang manchmal etwas langatmig und verwirrend erscheint, entwickelt zusehends eine ungeheure Faszination. Es sind vor allem die vagen Andeutungen, die mehr und mehr fesseln, die im Kopf des Lesers eine Welle von Vermutungen und Vorahnungen auslösen und die Spannung gegen Ende fast unerträglich werden lassen.

Kari Braenne ist eine Meisterin in der Zeichnung ihrer Charaktere, die eigener, seltsamer und undurchschaubarer kaum sein könnten. Sie bevölkern diesen Roman wie mythische Wesen und verleihen der Geschichte eine manchmal fast märchenhafte Färbung.
„Der Wald wirft schwarze Schatten“ handelt von großen Themen wie Schuld und Sühne, der Verkettung von Vergangenheit und Gegenwart und wirft die Frage auf, welche Last die Kinder von ihren Eltern und Großeltern weiter tragen müssen. Ein großartiger, gekonnt erzählter und hoch spannender Roman!

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