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Kommende Buchkritiken
Liebe und andere Versprechen
Ogni promessa
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Autor
Andrea Bajani
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 978-3423249188 Übersetzung Pieke Biermann Erscheinungsdatum (D) 01.04.12 Erschienen 2010 Seiten 340 |
Inhalt
Ein Kind ist das, was sich Pietro und Sara als Krönung ihrer gemeinsamen Zukunft gewünscht haben, doch die Zeit vergeht und Sara wird nicht schwanger. Ihre Liebe zerbricht. Am Tag von Saras Auszug aus der gemeinsamen Wohnung erhält Pietro die Nachricht vom Tod seines Großvaters Mario. Mario, über den in der Familie seit Jahren nicht gesprochen wird, ist nun plötzlich für Pietro wieder ganz präsent und er will den unscharfen Erinnerungen aus seiner Kindheit an ihn nachspüren. Sein Weg führt ihn zu der Wohnung, in der die Familie früher gelebt hat. Hier trifft Pietro auf den Rentner Olmo, der für den Lehrer unverhofft ein Tor zu Marios Geschichte wird. Durch Olmo beginnt Pietro zu sehen, was in seiner Familie bislang unausgesprochen im Raum steht und was ihn letztlich auch daran gehindert hat, mit Sara offen zu sprechen. Pietro erkennt, dass Sara immer noch Teil seines Lebens ist, auch wenn sie in der Zwischenzeit das Kind eines anderen erwartet…
Buchkritik von Melanie Frommholz
In seiner Heimat längst bekannt und mehrfach für seine Bücher ausgezeichnet, überraschte Andrea Bajani 2010 die deutschen Leser mit einer ungewöhnlichen Erzählweise in „Lorenzos Reise“. Andrea Bajanis Geschichten sind wie ein Strom, von dem man als Leser mitgerissen wird und die ihre eigentliche Bedeutung und Tiefe zwischen den Zeilen preis geben. Auch „Liebe und andere Versprechen“ lebt wieder von dieser Erzählweise. Der Autor thematisiert diesmal treffsicher und feinfühlig die stumme und verzehrende Macht des Ungesagten und der nicht aufgearbeiteten Vergangenheit, die sich wie ein Schatten über das Leben seiner Figuren gelegt hat und die eine glückliche Zukunft verhindert. Bajani erschafft mit feinem Gespür für das Zwischenmenschliche sprachliche Bilder, die nur scheinbar das beschreiben, was wir sehen und dabei den wenig offensichtlichen Kern der Dinge spürbar machen. Er erschafft ein instinktives Begreifen, das sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht und das den großen Wert dieser Geschichte ausmacht. Dieser besonderen Art des Erzählens muss man sich öffnen. Andrea Bajani fordert seine Leser im positiven Sinne heraus, sich mit dem Schicksal seiner Figuren auseinanderzusetzen und damit auch ein Stück weit mit seinem eigenen. Im Fall von „Liebe und andere Versprechen“ ist ihm das nicht ganz ohne erzählerische Längen gelungen. Bajani holt uns aber dennoch unaufdringlich Stück für Stück ab und nimmt uns auf seinem Weg mit. Die scheinbare Ruhe seines Romans steht dabei in krassem Gegensatz zu der emotionalen Aufgewühltheit der Figuren, bei denen es unter der Oberfläche brodelt und die von ihm mit viel Wärme gezeichnet sind. In dem man ihnen zu ihren blinden Flecken in der Vergangenheit folgt, begegnet man seinen eigenen und erfährt dabei ein Stück wohltuende Hoffnung. Andrea Bajanis „Liebe und andere Versprechen“ macht Mut, den steinigen Weg des Erinnerns und Aufarbeitens zu gehen, weil am Ende eine zweite Chance warten kann, für die es sich lohnt zu kämpfen. Eine schöne und nachdenkliche Botschaft und eine nachdrückliche Aufforderung, hinter die Fassade der Dinge und der Menschen zu blicken, die uns umgeben.
