Die Schuldlosen

Die Schuldlosen

Autor Petra Hammesfahr Genre Krimi
Verlag Wunderlich
ISBN 978-3-8052-5039-9
Erscheinungsdatum (D) 09.03.12   Seiten 448

Inhalt

Alex Junggeburt hatte von Anfang an ein schweres Schicksal: Quasi als Ersatzkind für seine früh verstorbene Schwester Alexa geboren, wurde er von der Mutter, die über den Verlust ihrer Tochter nie hinwegkam, wie ein Mädchen aufgezogen. Lange Haare, Mädchenkleider, Puppen zum Spielen – all das machte ihn zum Außenseiter bei seinen Altersgenossen. Alex entwickelte sich zum Schläger und als er älter wurde, eilte ihm der Ruf des Weiberhelden voraus – kein Rock war vor ihm sicher, und fast alle ließen sich nur zu bereitwillig von dem betörenden Alex verführen. Keiner im Dorf wunderte sich deshalb darüber, als Alex an einem Ostersonntag des Mordes an Janice Heckler bezichtigt wurde, die tot in der Greve gefunden wurde.

Als Alex sechs Jahre später frühzeitig aus der Haft entlassen wird, ist kaum jemand in Garsdorf glücklich über seine Rückkehr in das mittlerweile verwaiste Elternhaus. Nur zu gut können sich die meisten noch an sein Wirken in der Vergangenheit erinnern, und eine ist unter ihnen, die die Rache Alex’ fürchten muss. Doch selbst Alex kann sich nicht erinnern, was in jener Nacht damals geschah…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 3 von 5 Bs Petra Hammesfahr ist eine wahre Meisterin darin, die Kleinbürgerlichkeit und Doppelmoral der scheinbar so ehrbaren Bürger aufs Korn zu nehmen. Zu diesem Zweck hat die Autorin sich für das goldrichtige Genre entschieden, denn wo, wenn nicht in einem Kriminalroman, könnte man die Leichen im Keller der Spießbürger besser ans Tageslicht bringen? Auch in „Die Schuldlosen“ lässt Hammesfahr wieder tief blicken, denn der Titel des Buches ist hier Programm. Am Beispiel des kleinen Alex, der seiner offenbar schwer gestörten Mutter hilflos ausgeliefert ist, macht sie deutlich, wie die meisten Leute lieber wegschauen, als sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen. Doch genau hier liegt auch die Schwäche dieses Krimis begraben, denn immer wieder fragt man sich, wie es sein kann, dass ein Kind über Jahre hinweg so offensichtlich großes Leid ertragen muss, ohne dass irgendjemand etwas dagegen unternimmt. Zwar schildert Hammesfahr sehr glaubwürdig, was aus einem solchen Kind werden kann, doch so ganz überzeugend ist dieser wichtige Aspekt ihrer Geschichte nicht.

Die facettenreiche Schilderung der Charaktere, der Blick in die Untiefen derer Seelen und die Beleuchtung ihrer Motive ist dagegen sehr authentisch und mehr als gelungen. Wieder einmal macht die Autorin deutlich, dass es niemals nur schwarz oder weiß gibt, dass jeder von uns auch über Anteile in sich verfügt, die er lieber niemandem zeigen würde. Gerade aus diesem Grund ist „Die Schuldlosen“ viel mehr, als einfach nur ein Krimi, sondern vielmehr eine Milieu- und Charakterstudie, die aber hin und wieder die eine oder andere Länge aufweist.

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