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Verachtung
Journal 64
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Autor
Jussi Adler-Olsen
Genre Thriller
Verlag dtv ISBN 978-3-423-24916-4 Übersetzung Hannes Thiess Erscheinungsdatum (D) 24.08.12 Erschienen 2010 Seiten 539 |
Inhalt
Das Sonderdezernat Q für unaufgeklärte Fälle in Kopenhagen wird durch die Akte der 1987 als vermisst gemeldeten Rita Nielsen auf fünf weitere Personen aufmerksam, die zur etwa gleichen Zeit wie Rita Nielsen spurlos verschwanden. Carl Mørck und seine beiden Assistenten Assad und Rose glauben nicht an einen Zufall, sondern sind vielmehr fest davon überzeugt, dass hier ein Zusammenhang besteht. Während der mühsamen Recherchearbeit stoßen die Ermittler auf den Namen einer Frau, die mit beinahe allen der damals Vermissten bekannt war: Nete Hermansen. Doch die alte Dame bestreitet, mehr über das Verschwinden der alten Bekannten zu wissen.
Nur allmählich wird Carl Mørck und seinen Assistenten klar, welch erschreckende Dimensionen dieser neue Fall tatsächlich hat. Alle Spuren führen zurück nach Sprogø, einer Insel, auf der früher eine Anstalt für „gefallene Frauen“ betrieben wurde. Der einzige Weg für viele Frauen, Sprogø je wieder zu verlassen, war die Zwangssterilisation und damit das Ende des Traums von Kindern und Familie. Eine dieser unglücklichen Frauen konnte nicht vergeben: Ihr Rachefeldzug gegen ihre Peiniger und all jene, die sie für ihr Schicksal verantwortlich macht, ist grausam…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Mit seinem vierten Thriller um das Sonderdezernat Q präsentiert Jussi Adler-Olsen einen vielschichtigen Fall, der brillant erzählt ist und in die Abgründe des menschlichen Strebens nach „Rassenreinheit“, der Eugenik, blicken lässt. Vor dem Hintergrund der wahren Begebenheiten der Kellerschen Anstalten in Dänemark entwirft Adler-Olsen ein Szenario, das unfassbar unmenschlich und tragisch zugleich ist und deutlich macht, dass der Rassenwahn nicht nur in Nazideutschland grassierte. Dem Autor gelingt es auf eine Art und Weise, Schicht um Schicht dieser komplexen Geschichte aufzudecken und dabei stets alle Fäden sicher in der Hand zu halten, vor der man nur den Hut ziehen kann. Es ist wie so oft bei Carl Mørck und seinem Sonderdezernat Q: Alles beginnt so harmlos und nimmt dann Dimensionen an, die atemberaubend spannend und erschreckend dunkel sind. Dabei verzichtet Adler-Olsen nicht auf die gesellschaftskritischen Töne, die im Verlauf der Handlung immer gewichtiger werden. Missbrauch, Ausgrenzung und öffentliche Demütigung zumeist unschuldiger Frauen werden hier in einen spannenden und klug erzählten Thriller eingebunden.
Es ist die Mischung zwischen einem erschreckenden und manchmal auch brutalen Plot und dem augenzwinkernden Humor, der Adler-Olsens Hauptfigur Carl Mørck zu eigen ist, die auch „Verachtung“ wieder zu einem außergewöhnlichen Thriller macht. Auch das immer augenscheinlicher werdende Geheimnis, das Carls Assistenten Assad umgibt, übt einen besonderen Reiz aus, ahnt man doch, dass sich hier in den zukünftigen Fällen des Sonderdezernat Q noch einiges an Potential verbirgt.
Mit „Verachtung“ beweist Jussi Adler-Olsen einmal mehr, dass er es vermag, seine Leser zu packen und zu fesseln und gleichzeitig intelligente, temporeiche Geschichten mit gesellschaftskritischen Untertönen zu erzählen.
Wissenswertes
Das Sonderdezernat Q ermittelt in folgenden Fällen:
Erbarmen
Schändung
Erlösung
Verachtung
Die in „Verachtung“ beschriebene Anstalt für Frauen hat es von 1923 bis 1961 auf der dänischen Insel Sprogø tatsächlich gegeben. Hier wurden Frauen untergebracht, die mit dem Gesetz oder der damals geltenden Moral in Konflikt gekommen waren oder als debil galten. Viele von ihnen durften nur gegen ihre schriftliche Einwilligung zu einer Sterilisation die Anstalt wieder verlassen.
