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Brombeersommer
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Autor
Dörthe Binkert
Genre Roman
Verlag dtv premium ISBN 978-3-423-24913-3 Erscheinungsdatum (D) 01.07.12 Seiten 270 |
Inhalt
Deutschland, Anfang der fünfziger Jahre. Der Krieg ist vorbei und Karl ist Anfang dreißig, als er in seiner Heimatstadt seinen alten Freund aus Jugendtagen, Theo, wieder trifft. Auch seine Verlobte, die ihre Heimat Ostpreußen verlassen musste, findet er nach langem Suchen wieder. Edith und Karl heiraten, doch glücklich ist die Ehe von Anfang an nicht, hängt Ediths Herz doch hoffnungslos an ihrer verlorenen Heimat, die zu ihrer einzigen Sehnsucht wird. Währenddessen begegnet Theo einer jungen Frau wieder, die Karl und er in Kindheitstagen nur die storchenbeinige Viola nannten. Doch aus dem langbeinigen und knabenhaften Mädchen ist eine wunderschöne Frau geworden, nach der sich nicht nur Theo verzehrt. Auch Theo und Viola heiraten und nach Karls Trennung von Edith entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zu dritt.
Im Nachkriegsdeutschland mit Transistorradios, den „Capri-Fischern“, Tellerröcken aus Fallschirmseide und der großen Sehnsucht nach dem Sonnenland Italien teilen die drei Freunde ihr Leben miteinander, feiern Feste und versuchen, zur Normalität zurückzufinden. Karl verliebt sich unsterblich in die Frau seines besten Freundes, und als die drei mit Theos neuem Käfer in den Urlaub fahren, nimmt das Schicksal seinen Lauf…
Buchkritik von Stefanie Rufle
„Brombeersommer“ ist ein Roman, der in der Nachkriegszeit spielt und als zentrales und alles beherrschendes Motiv das Thema Freundschaft hat. In einer Schlüsselszene fragt Karl seine geheime Liebe Viola: „Was ist wichtiger? Die Freundschaft oder die Liebe?“, und Viola antwortet ihm: „Dumme Frage. Beides. Die Liebe.“ Ein wunderschönes Bild, das aber zugleich die Unausweichlichkeit eines großen Unglücks beinhaltet. Dörthe Binkert erzählt von einer Menage à trois, die drei Menschen miteinander verbindet, die nach den schrecklichen Kriegserlebnissen einfach nur glücklich miteinander sein wollen. Dass dieses Glück so aber nicht machbar ist, ist die große Tragödie dieser tiefen und ehrlichen Freundschaft.
Binkert hat wundervolle und authentische Charaktere erschaffen, die dem Leser eindringlich klar machen, was es bedeutet hat, im Nachkriegsdeutschland weiterzuleben. Sie schildert den Alltag voller Notlösungen, Hunger und einer unstillbaren Sehnsucht nach Leben und lässt dabei eine Welt vor dem inneren Auge erstehen, die vor noch gar nicht so langer Zeit Normalität war. Dabei bleiben allerdings die Traumata, die die aus dem Krieg Heimgekehrten zu verarbeiten hatten, leider etwas zu fragmentarisch. Vor allem Karls tiefe Zerrissenheit und Schuldgefühle angesichts dessen, was er im Krieg erlebt hat, werden nur am Rande behandelt, was diesem Roman insgesamt etwas von seiner Tiefe nimmt.
„Brombeersommer“ ist ein wunderschönes Plädoyer für die Freundschaft, enttäuscht aber am Ende mit einem allzu abrupten Schluss.

