Wärst du doch hier

Wish You Were Here

Wärst du doch hier

Autor Graham Swift Genre Roman
Verlag dtv premium
ISBN 978-3-423-24922-5
Übersetzung Susanne Höbel Erscheinungsdatum (D) 01.09.12   
Erschienen 2011  Seiten 418

Inhalt

Jack und Ellie wissen schon seit ihrer frühesten Jugend, dass sie ihr Leben miteinander verbringen werden. Nachdem der grassierende Rinderwahn das Leben manch eines Farmers in England zerstört hat, verkaufen Jack und Ellie ihre beiden jeweils ererbten Höfe und werden zu Wohnwagenpark-Betreibern auf der Isle of Wight. Es ist ein bequemes Leben, das das Ehepaar von nun an führt, doch es ist nicht das Leben, das Jack sich eigentlich erträumt hat. Seine Gedanken sind stets bei der Jebb-Farm, die vor ihrem Verkauf über Generationen im Familienbesitz war – und bei seinem Bruder Tom, der von dort floh, als er gerade mal achtzehn Jahre alt war und den Jack seither nie wieder gesehen hat.

Als Jack die Nachricht erreicht, dass sein kleiner Bruder Tom im Irak gefallen ist, brechen sich all die verdrängten Schuldgefühle, Sehnsüchte und die sorgfältig vergrabenen Erinnerungen Bahn. Ganz allein macht Jack sich auf den Weg, um seinen toten Bruder heimzuholen und alles, was einst war, bekommt nun eine ganz andere Bedeutung. Jack stellt nicht nur das Leben, das er jetzt führt, in Frage, sondern auch seine Ehe mit Ellie. Als er wieder zu ihr heimkehrt, ist er nicht mehr der, der er war und fast scheint es, als habe er keine Kontrolle mehr über die Ereignisse, die nun, einem Sturm gleich, über ihnen hereinbrechen…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Mit „Wärst du doch hier“ beweist Graham Swift ein weiteres Mal, dass er zu den ganz großen Erzählern der Gegenwartsliteratur zählt. Voller Sensibilität und in faszinierender Sprache entwirft er das Bild zweier Menschen, deren Leben sich durch den dramatischen Wandel in ihrer Umgebung in eine Richtung entwickelt, die sie ab einem bestimmten Punkt nicht mehr eigenständig bestimmen können. Dabei beeindruckt Swift vor allem durch die bestechende Schilderung von Jacks Gefühlen, die derart authentisch ist, dass man sich selbst manchmal nicht der Tränen erwehren kann. Seine Beschreibung des abgrundtiefen Verlustgefühls, des dunklen Lochs, das sich angesichts des Todes eines geliebten Menschen auftut, ist so treffend und realistisch, dass es manchmal richtig wehtut. Dass „Wärst du doch hier“ dennoch frei von jedem Pathos oder kitschiger Gefühlsduselei ist, macht die besondere Faszination des britischen Autors aus.

Es ist eine verstörende Geschichte voller Abgründe, die uns Swift hier erzählt und zugleich ein Buch, dem man sich ganz und gar hingeben will. In feiner Prosa lässt der Autor gewaltige Bilder vor dem inneren Auge des Lesers erstehen, zeigt anschaulich den Charakter des heutigen England auf. Zugleich macht er deutlich, dass es Situationen gibt, in denen Menschen nicht mehr eigenständig über ihr Tun bestimmen können – Situationen, die in Tragödien gipfeln können.
„Wärst du doch hier“ ist ein wundervoller, ergreifender und zugleich fesselnder Roman – ein Buch, das man am liebsten ewig weiter lesen würde.

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