Die stille Macht der Frauen

Vremja zenscin

Die stille Macht der Frauen

Autor Elena Chizhova Genre Roman
Verlag dtv premium
ISBN 978-3-423-24919-5
Übersetzung Dorothea Trottenberg Erscheinungsdatum (D) 01.06.12   
Erschienen 2009  Seiten 240

Inhalt

Leningrad in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die ledige Fabrikarbeiterin Antonina wird schwanger, weshalb sie ihren Platz im Wohnheim gegen ein Zimmer in einer Gemeinschaftswohnung eintauschen kann. Ihre Mitbewohnerinnen sind drei alte Damen, die ihre festen Vorstellungen von einem Zusammenleben haben, was für Antonina neben ihrer schweren Arbeit in der Fabrik auch jede Menge häusliche Pflichten bedeutet. Doch auch wenn die drei Babuschki ein strenges Regiment in der Wohngemeinschaft führen und Antonina kaum Zeit zum Ausruhen lassen, hängen sie doch alle gleichermaßen an Antoninas kleiner Tochter Susanna. Sie kümmern sich um die Kleine, wenn Antonina bei der Arbeit ist und bringen ihr die wichtigen Dinge des Lebens bei.

Doch als Susanna das Kindergartenalter erreicht, beginnt die Gewerkschaft, Druck auf Antonina auszuüben. Wie alle anderen Kinder, soll nun auch Susanna in den Kindergarten gehen. Doch das kleine Mädchen verfügt über einen, zu Sowjetzeiten gefährlichen, Makel: Susanna spricht nicht. Dies wäre ein triftiger Grund, um das kleine Mädchen in ein Heim zu stecken. Doch die drei durch ihren harten Alltag gestählten Babuschki sind fest entschlossen, ihrer Kleinen dieses Schicksal zu ersparen…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs „Die stille Macht der Frauen“ ist ein anrührendes und trauriges Zeugnis des schweren Sowjetalltags der sechziger Jahre. Die sowjetische Tragik schwingt in jeder Zeile mit und durchdringt diesen Roman von Elena Chizhova gänzlich. Das ist nicht immer leicht auszuhalten, denn die deprimierende Grundstimmung der Geschichte strahlt auch unweigerlich auf den Leser aus. Hier bekommt man einen Einblick in den knallharten Alltag von Menschen, die sich unter einem harten Regime beugen mussten und deren Kampf ums Überleben oftmals bis an die Grenzen des Zumutbaren ging. Vieles ist in der heutigen Zeit und aus unserer westlichen Sicht kaum nachzuvollziehen – eine fremde Welt tut sich da auf, die aber trotzdem real ist und auch noch nicht allzu lange zurückliegt.

„Die stille Macht der Frauen“ ist kein Roman, der für Ausgelassenheit oder positive Gefühle sorgt, aber trotzdem wird hier eine Geschichte erzählt, die zuversichtlich stimmt. Elena Chizhova macht deutlich, wie drei alte, vom Leben gebeugte Frauen für ein Kind kämpfen, das für sie das Glück ihres Alters bedeutet. Sie zeigt, dass in einem totalitären Regime die Macht der Menschlichkeit siegen kann, dass Liebe ganz unvermutete Wege zulässt.
Auch wenn das Lesen manchmal nicht leicht fällt, lohnt es sich dennoch, dieser Geschichte bis zu ihrem Ende zu folgen.

Wissenswertes

"Die stille Macht der Frauen" wurde mit dem russischen Booker-Preis ausgezeichnet.

Die Russisch-Übersetzerin Dorothea Trottenberg erhielt den Paul-Celan-Preis 2012 für ein Gesamtwerk.

Besucherbewertung

3.2 / 5  (5 votes)

Kommentare


Kommentare

+ Kommentar schreiben
Deine Daten
(wird nicht veröffentlicht)
Dein Kommentar*

*Pflichtfeld
Der Kommentar wird von uns vor dem Freischalten geprüft.