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Kommende Buchkritiken
Wir sind die Wolfskinder - Verlassen in Ostpreußen
|
Autor
Sonya Winterberg
Genre Erlebnisbericht
Verlag Piper ISBN 978-3-492-05515-4 Erscheinungsdatum (D) 14.05.12 Seiten 336 |
Inhalt
Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, begann für hunderttausende Deutsche ein wahres Martyrium. Sie mussten vor der einrückenden Roten Armee aus Ostpreußen und Königsberg fliehen und erlebten Vergewaltigung, Krankheit und unsäglichen Hunger. Unzählige Kinder gingen auf der Flucht verloren, erlebten die Ermordung oder den Hungertod der eigenen Familie. Diese Kinder waren völlig auf sich allein gestellt und schlugen sich in den Wäldern des Baltikums mit Betteln, Diebstahl und schwerer körperlicher Arbeit auf Bauernhöfen durch. Oftmals wurden sie von Litauern aufgenommen, aufgepäppelt und schließlich adoptiert, wodurch sie die Berechtigung auf die deutsche Staatsbürgerschaft verloren. Diese Kinder wurden und werden bis heute die „Wolfskinder“ genannt.
Die Journalistin Sonya Winterberg hat gemeinsam mit der Fotografin Claudia Heinermann die letzten Zeitzeugen dieser chaotischen Nachkriegsjahre besucht. Entstanden ist ein Dokument ihrer Kindheit und Jugend in der Sowjetrepublik Litauen und, nach dem Ende des Kommunismus, dem Kampf um die Anerkennung ihrer deutschen Wurzeln.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Es ist ein zutiefst erschütterndes und zugleich hervorragend recherchiertes Zeitdokument, das Sonya Winterberg gemeinsam mit Claudia Heinermann mit „Wir sind die Wolfskinder“ erschaffen hat. Es gelingt ihr auf äußerst einfühlsame und behutsame Weise, vom Schicksal der Wolfskinder zu berichten und sich dabei hauptsächlich auf die Erinnerungen der noch lebenden Vertriebenen zu stützen. Die Erzählungen von Menschen wie Christel Scheffler, Bruno Klein, Renate Kösling, Hildegard Horn, Luise Quitsch oder Uwe Fritz sind derart schrecklich, anrührend und traurig, dass es mehr als einmal schwer fällt, weiterzulesen. Es entsteht das Bild von kleinen Kindern, die von einem Moment zum anderen aus ihrer sorglosen und glücklichen Kindheit herausgerissen werden mitten hinein in den nackten Kampf ums Überleben. Die Autorin lässt Menschen zu Wort kommen, die mit ansehen mussten, wie ihre Mütter nächtelang vergewaltigt wurden und schließlich starben, wie ihre Großeltern jämmerlich verhungerten oder wie Familienangehörige von Soldaten der Roten Armee umgebracht wurden. Nur ansatzweise kann man sich vorstellen, was das für eine zarte kindliche Seele bedeuten musste.
Zugleich macht Winterberg auf eindringliche Art deutlich, was es heißt, sich in einem Land gefangen zu fühlen, das nicht die Heimat ist, nicht zu denen gelangen zu können, die einem im Leben noch geblieben sind. Lebenslange Einsamkeit, unendliche Trauer und das Gefühl, von niemandem geliebt zu werden, bestimmen das Leben vieler Wolfskinder bis heute. Auf der anderen Seite schimmert aber auch eine unendliche Dankbarkeit für die Litauer durch, die viele dieser völlig verwahrlosten Kinder damals gerettet haben.
„Wir sind die Wolfskinder“ ist ein beeindruckendes und enorm wichtiges Buch, wichtig vor allem deshalb, weil viele Wolfskinder bis heute um ihre Anerkennung als Deutsche kämpfen müssen.
Besucherbewertung
Kommentare
Kommentare
H.-M. Hochgraefe schreibt am 27.11.12, 21:56
Hallo, habe mir das Buch "Wir sind die Wolfskinder" muß zugeben eher zufällig in einer Buchhandlung gekauft. Muß auch zugeben bis dato wußte ich nicht was Wolfskinder sind. Finde das Buch sehr natürlich aber auch erschütternd geschrieben. Hat mich sehr gefesselt. Von Vertriebenen wußte ich nicht viel,was sich mit diesem Buch geändert hat. Für mich auch ein Geschichtsbuch welches schockiert aber auch erfreut hat, wenn Wolfskinder etwas gutes erfahren haben nach dieser schlimmen Zeit und Erlebnissen.
Bin froh das ich in dieser zeit nicht gelebt habe, zu grausam sind die Kriegsgreuel von der roten Armee(auch Kriegsverbrechen,die Nazis waren natürlich auch "Tiere")
Vielen Dank an Sonya Winterberg und den Wolfskindern für dieses aufklärendes Buch,herzlichen Dank.
Mit freundlichen Grüßen H.-M. Hochgraefe
