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Aufziehendes Gewitter
The Storm at the Door
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Autor
Stefan Merrill Block
Genre Roman
Verlag Piper ISBN 978-3-492-05453-9 Übersetzung Dirk van Gunsteren Erscheinungsdatum (D) 12.03.12 Erschienen 2011 Seiten 376 |
Inhalt
Frederick Merrill lebt mit seiner Frau Katharine und den gemeinsamen Kindern in Boston. Es ist im Sommer 1962, als Fredericks Eskapaden immer ausufernder werden. Alkohol, Frauen, durchzechte Nächte… Als er an der Route 109 volltrunken ältere Damen mit seinem besten Stück erschreckt, ist das Maß offensichtlich voll. Um einer Anklage zu entgehen, stimmen er und seine Frau zu, dass er sich ins Mayflower Home einweisen lässt. So kommt es, dass Frederick Merrill mit einem schlimmen Kater im Irrenhaus aufwacht – aus dem er so schnell nicht wieder herauskommen soll. Denn obwohl das Mayflower Home eine eher liberale und besonders teure Anstalt ist, muss Frederick, der nicht glaubt, dass er krank ist, feststellen, dass er über sein Kommen und Gehen nicht frei entscheiden kann. Katharine könnte ihm helfen, Mayflower Home schnell wieder zu verlassen, doch sie beantwortet seine zahllosen Briefe nicht, sondern scheint sich in ihrem neuen Leben ohne Frederick ganz gut einzurichten.
So beschließt Frederick, das Beste aus seiner Situation zu machen. Er lässt sich mit den vielen Mitpatienten – vorwiegend aus der High Society – dahin treiben und beginnt, sein lange geplantes Buch zu schreiben. Als er allerdings dem neuen Anstaltsleiter in die Quere kommt, entpuppt sich Fredericks Aufenthalt in Mayflower Home zusehends als ein wahrer Höllentrip…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Was an diesem Roman besonders erschüttert ist die Tatsache, dass er auf dem Leben von Stefan Merrill Blocks Großvater Frederick basiert. Dieser teilweise totgeschwiegene Großvater erhält in „Aufziehendes Gewitter“ eine Stimme, sind darin doch authentische Briefe und Fotos enthalten. Zugleich gelingt es dem Autor, dem Leser mit dieser Geschichte erschreckende und sehr authentisch wirkende Einblicke in die Praktiken von psychiatrischen Einrichtungen der 1960er Jahre zu gewähren. Doch bei allem Düsteren schwingt doch eine unglaubliche Prise Humor mit in „Aufziehendes Gewitter“, eine Lebensfreude und Lebendigkeit, die manchmal den Ernst der Situation komplett vergessen lässt.
Stefan Merrill Block erzählt von der einzigartigen Liebesgeschichte seiner Großeltern, die in jeder Zeile mitschwingt. Vor allem die ambivalenten Gefühle von Katharine Merrill nehmen hier Gestalt an, wird dem Leser doch immer wieder deutlich, wie schwer es sein muss, einen Mann zu lieben, bei dem man heutzutage wohl eine bipolare Störung diagnostizieren würde. Zugleich ist der hilflose Zustand, in dem Frederick sich befindet, ein Mann, der so voller Leben und Elan steckt, kaum auszuhalten. Immer wieder stellt man sich die Frage, wo Exzentrik aufhört und Geisteskrankheit beginnt.
Es ist nicht immer ganz einfach zu verstehen, wohin uns dieses Buch führen soll, was die Kernaussage ist, die diesen Roman prägt. Manche Motive bleiben bis zum Schluss undurchsichtig, doch unterm Strich ist Stefan Merrill Block ein faszinierender und sehr mutiger Roman gelungen, der voller Wahrheit und Lebensbejahung ist.
