London Killing

The Hollow Man

London Killing

Autor Oliver Harris Genre Thriller
Verlag Blessing
ISBN 978-3-89667-438-8
Übersetzung Wolfgang Müller Erscheinungsdatum (D) 27.02.12   
Erschienen 2011  Seiten 479

Inhalt

Detective Constable Nick Besley ist das, was man getrost als “abgewrackt“ bezeichnen kann. Sein Leben ist ein Chaos, finanziell ist er am Ende, zwei Exfrauen sitzen ihm im Nacken und auch ansonsten ist dies kein geordnetes Leben eines britischen Polizeibeamten. Weit davon entfernt. Da kommt ihm der Selbstmord eines russischen Oligarchen, begangen in dessen piekfeinem Haus in einer edlen Wohngegend Londons, mehr als gelegen. Denn niemand weiß so recht, wer dieser Herr war, welche geschäftlichen Pläne er hatte oder wie sein gesellschaftliches Leben aussah. In der Tat fällt Nick schon innerhalb kürzester Zeit auf, dass ihn sogar noch niemand jemals zu Gesicht bekommen hatte. Und, was für Besley noch viel wichtiger ist, der Tote verfügte offensichtlich über ein beträchtliches Vermögen. Die Versuchung ist groß und für den Constable eine verlockende Möglichkeit, eine Identität zu klauen und das Land zu verlassen. Berufsbedingt verfügt er ja auch über die nötigen Kontakte und so nimmt der Plan Stück für Stück Gestalt an. Doch so einfach, wie er sich das gedacht hatte, wird es nun doch nicht. Zum einen wird direkt neben ihm die ehemalige Sekretärin des Oligarchen erschossen, zum anderen bekommt Besley mehr und mehr das Gefühl, dass er nicht der Erste war, der diese Idee hatte. Dennoch versucht er zunehmend verzweifelt, seinen Plan aufrecht zu erhalten, und mehr als Nebenprodukt desselben kommt er der Wahrheit der Geschichte immer näher, bis es auch für ihn gefährlich wird ...

Buchkritik von Angelika Koch

Angelika vergibt 4 von 5 Bs Wie erfrischend! Offensichtlich gibt es doch eklatante Unterschiede in der Einstellung zur Staatsmacht und zu deren ausführenden Organen zwischen europäischen Schriftstellern und ihren amerikanischen Kollegen. Hier darf der Protagonist schräg sein, unaufrichtig sogar, unehrlich, gemein, respektlos, egoistisch und kriminell. Dass schlussendlich doch alles ins Positive umschlägt, war ganz und gar nicht seine Absicht und macht die Geschichte insgesamt amüsant und einfach anders. Wenn ein Constable als Erstes im Hause eines Toten die Kaffeemaschine und den Toaster anwirft, um zu frühstücken und ebenso pietätslos dessen Schlafzimmer und Bad benutzt, wenn dieser zudem nicht davor zurückschreckt, seine polizeilichen Vorrechte zu missbrauchen und dann auch noch Menschen manipuliert, um alles zu seinem Vorteil zu nutzen, dann kann man als Leser nicht anders, als diesen Herrn so erfrischend anders und herrlich sympathisch zu finden. Er ist der absolute Antiheld, ohne Schnörkel, Schulterpolster und gewienerte Schuhe, ohne Abzeichen und kritiklosen Gehorsam, ohne einen durchtrainierten Körper und ohne stramme Haltung. Das ganze Buch hat somit etwas Leichtes, Schwereloses und nimmt sich selbst nicht ernst. Der Plot ist einfach mal neu und ungewöhnlich, die Akteure so menschlich und fehlerhaft, wie Menschen eben sind. Trotz aller Leichtigkeit aber, geht die Spannung nicht verloren und der Leser bleibt bis zum Ende „in der Spur“. Und, was noch erfreulicher ist, das Ende erscheint so, als ob es mit Constable Nick Besley noch weitere Geschichten geben wird. Na dann – gerne wieder!

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