Räuberleben

Räuberleben

Autor Lukas Hartmann Genre Historischer Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-86217-1
Erscheinungsdatum (D) 01.03.12   Seiten 346

Inhalt

Ende des 18. Jahrhunderts verbreitet im Schwarzwald und im Elsass der Räuber Hannikel Angst und Schrecken. Mit seiner Räubersippe zieht Hannikel durch das Land, brandschatzt und raubt und ist ständig auf der Flucht vor Verfolgern. Besonders fürchtet Hannikel Jacob Schäffer, den Oberamtmann von Sulz, denn der ist geradezu besessen davon, Räubern und Zigeunern das Handwerk zu legen. Doch immer wieder gelingt es Hannikel und seiner Sippe, den Häschern zu entkommen – bis zu dem Tag, an dem sie einen Ehrenmord an einem der ihren verüben. Nun endlich gibt es eine konkrete Spur, die Hannikel samt seinen Mannen, den Frauen und Kindern, überführen könnte.

Während Schäffer in seiner Besessenheit in jedem Zigeuner nur den Abschaum sieht, ist sein Schreiber Wilhelm Grau hin und her gerissen zwischen Abscheu und Mitgefühl mit der Hannikel-Sippe. Vor allem Hannikels elfjähriger Sohn Dieterle berührt Graus Herz, sieht er in ihm doch vor allem ein Kind, das man nicht verantwortlich machen kann für die Gräueltaten seiner Sippschaft. Doch zugleich wird Grau immer deutlicher, dass der Abgrund zwischen zivilisiertem Leben und dem Alltag der Zigeuner schier unüberwindlich ist…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Schon in seinem historischen Roman „Bis ans Ende der Meere“ stellte der Schweizer Autor Lukas Hartmann unter Beweis, dass er ein Könner darin ist, historische Fakten mit einer fesselnden Geschichte zu verweben. Dieses Fähigkeit Hartmanns sticht auch bei „Räuberleben“ von der ersten Zeile an ins Auge. Ziemlich schnell räumt er dabei mit dem Klischee des romantischen Zigeunerlebens auf und zeigt, welch brutalen und schonungslosen Alltag die Sinti und Roma im ausgehenden 18. Jahrhundert zu bewältigen hatten. „Räuberleben“ zeichnet sich erneut durch hervorragende und penibel genaue Recherche aus, die zur Folge hat, dass man sich beinahe am Lagerfeuer eines Zigeunerlagers im Schwarzwald zu befinden meint. Dabei spart Hartmann jegliche Romantisierung aus, sondern konzentriert sich vielmehr auf die tatsächlichen Lebensbedingungen der damaligen Zeit.

Als tatsächliche Zeitzeugen webt er Herzog Karl Eugen und dessen Ehefrau Franziska ein, was diesem Roman eine noch tiefere historische Dimension verleiht. In der Zeichnung seiner Charaktere beweist Hartmann ein sicheres Händchen, sie wirken stets authentisch, und vor allem Hannikel macht es mit seinen unterschiedlichen Facetten schwer für den Leser, ein abschließendes Urteil über ihn zu fällen. Darüber hinaus macht diese Geschichte sehr detailliert deutlich, woran die damalige Gesellschaft krankte, welche Doppelmoral herrschte und wie entscheidend die richtige Herkunft für das gesamte Leben war.
„Räuberleben“ ist ein farbenfroher und stechend scharf erzählter historischer Roman, der seinen Leser mitten hineinzieht in die Welt der Zigeunerlager, finsterer Kerker und herzoglicher Gemächer.

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