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Kommende Buchkritiken
Entführt
Kommer aldrig mer igen
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Autor
Hans Koppel
Genre Thriller
Verlag Heyne ISBN 978-3-453-26760-2 Übersetzung Holger Wolandt Erscheinungsdatum (D) 27.02.12 Erschienen 2011 Seiten 352 |
Inhalt
Ylva ist auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, als ein Auto neben ihr anhält. Zwei Bekannte aus längst vergangenen Tagen bieten Ylva an, sie ein Stück mitzunehmen. Obwohl sie ein ungutes Gefühl hat, nimmt Ylva die Einladung höflichkeitshalber an. Ein Entschluss, den sie bitter bereuen soll, denn von nun an ist nichts mehr, wie es war. Ylva wird in einen schalldicht isolierten Keller gesperrt und längst ahnt sie, was der Grund für ihre Entführung ist: ein Ereignis aus ihrer Schulzeit, das sie in die hintersten Bereiche ihrer Erinnerung verbannt hat. Doch nun holt sie alles wieder ein, denn offenbar wollen die beiden Entführer nur eines: Rache!
Ylva wird auf schlimmste Art und Weise gedemütigt, ihres Willens und ihrer Persönlichkeit beraubt und muss mit ansehen, wie ihr Mann Mike und ihre kleine Tochter Sanna ihr Leben weiterleben. Denn ironischerweise ist ihr Gefängnis nur wenige Meter von ihrem eigenen Haus entfernt, und über einen im Keller installierten Bildschirm kann Ylva mitverfolgen, wie Mike und Sanna allmählich beginnen, sie zu vergessen und in die Zukunft zu blicken. Ylvas Entführer machen der verzweifelten Frau eines unmissverständlich klar: Lebend wird sie ihr Verlies nie wieder verlassen…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Hans Koppels Thriller schafft es, den Leser von der ersten Seite an zu packen und nicht mehr loszulassen. Der Schwede beherrscht die Kunst, atemlose Spannung zu erzeugen und diesen Spannungsbogen bis zum letzten Moment konsequent weiterzuspannen. Obwohl allmählich eine Ahnung aufflammt, was die entführte Ylva sich in der Vergangenheit zuschulden zu kommen ließ, wird der Leser bis zum Schluss im Dunkeln darüber gelassen, was die Spannung nur noch weiter vorantreibt. In der Zeichnung seiner Charaktere verzichtet Koppel auf vereinfachende Schwarz/Weiß-Malerei, sondern erzeugt unterschiedliche Facetten, die keine der Figuren nur gut oder nur böse erscheinen lassen. Vor allem bei der entführten Protagonistin fällt es hin und wieder schwer, Sympathie oder gar Mitgefühl zu empfinden, was der Geschichte einen zusätzlichen Reiz verleiht.
Auch wenn bereits etliche Thriller über brutale und entwürdigende Entführungen den Büchermarkt bevölkern, bekommt man es bei „Entführt“ mit einem besonders perfiden Exemplar dieser Gattung zu tun. Die Demütigungen, denen Ylva ausgesetzt ist, der zunehmende Persönlichkeitsverlust, sind derart detailliert und eindringlich geschildert, dass es kaum auszuhalten ist. Hans Koppel hat einen äußerst vielschichtigen Thriller geschaffen, der sich nicht nur mit den Qualen des Opfers, sondern ebenso mit den nachvollziehbaren Motiven der Täter und dem Umgang der Angehörigen mit dem Verlust eines geliebten Menschen auseinandersetzt. Auch hier verzichtet der Autor auf stereotype Handlungsmuster, sondern lässt den Leser vielmehr in die Abgründe jedes einzelnen seiner Charaktere blicken, die dem die Haare zu Berge stehen lassen.
