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Das Buch der Kinder
The Children's Book
|
Autor
A.S. Byatt
Genre Roman
Verlag S.Fischer ISBN 978-3-10-004417-4 Übersetzung Melanie Walz Erscheinungsdatum (D) 05.09.11 Erschienen 2009 Seiten 896 |
Inhalt
England, Ende des 19. Jahrhunderts. Queen Victoria ist Kaiserin von Indien und der Fortschritt scheint unaufhaltsam. Einem verborgenen Paradies gleich leben Olive und Humphrey Wellwood mit einer großen Kinderschar auf ihrem prächtigen Landsitz. Während ihre ledige Schwester Violet sich vorwiegend um die Erziehung der Kinder kümmert, feiert Olive große Erfolge als Kinderbuchautorin und verdient damit den größten Teil des Familieneinkommens. Außerdem ist sie eine vehemente Verfechterin sozialer Reformen und liberaler Erziehungsformen. Die Kinder der Wellwoods genießen alle nur erdenklichen Freiheiten und verleben eine sorglose und unbeschwerte Kindheit, während Humphrey Wellwood versucht, sich von den Bankgeschäften seines Bruders Basil freizuschwimmen und auf andere Art und Weise den Lebensunterhalt seiner Familie zu verdienen.
Eng mit der Familie Wellwood verbunden ist der Londoner Museumskurator Prosper Cain, verwitweter Vater von zwei Kindern, der alles daran setzt, ihnen Vater und Mutter zugleich zu sein. Als im Victoria & Albert-Museum eines Tages der verwahrloste Philip Warren auftaucht, nimmt die Familie Wellwood ihn zunächst bei sich auf, um ihm dann eine Stelle als Töpferlehrling bei dem ebenso exzentrischen wie begnadeten Töpfer Benedict Fludd zu verschaffen.
Jedes Jahr veranstalten die Wellwoods in ihrem verzauberten Garten ein Mittsommerfest, bei dem all diese unterschiedlichen Menschen mit ihren Kindern aufeinander treffen. Noch ahnen sie nicht, dass ein furchtbarer Krieg am Ende Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern und Geliebte voneinander trennen wird…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Es ist ein unglaublich sinnlicher, packender und poetischer Roman, den uns A.S. Byatt mit „Das Buch der Kinder“ schenkt. Ihre Figuren sind voller Anmut und lebendiger Präsenz und fesseln einen von der ersten Seite an. Egal, ob die Träumerin Olive Wellwood, die in ihrer eigenen Welt lebt, der erschreckende und zugleich geniale Töpfer Benedict Fludd, Philip, der sich aus der Gosse Londons zum Lehrling eines Künstlers hocharbeitet oder die starrsinnige Dorothy Wellwood, die fest entschlossen ist, Ärztin zu werden – sie alle bestechen durch eine unglaubliche Authentizität und Lebendigkeit. Man kann ganz einfach nicht anders, als mit diesem bunt gemischten Haufen unterschiedlichster Charaktere mitzuleiden und zu -fiebern. Auch die manchmal etwas zu ausführlich geratenen Beschreibungen von Theaterstücken oder langatmige Phantasiegeschichten von Olive Wellwood können nicht verhindern, dass man dieses Buch einfach nicht mehr aus den Händen legen kann.
A.S. Byatt ist eine begnadete Erzählerin, die ihre Leser von der ersten Seite an mitreißt in einen Strudel aus berauschenden Sinneseindrücken, aus dem er am liebsten gar nicht mehr auftauchen würde. Dunkle Geheimnisse, Menschen, die gegen alle Konventionen zu leben versuchen, unglücklich Verliebte, einsame und sich selbst überlassene Kinder, Idealisten – „Das Buch der Kinder“ schillert nur so vor aufregenden Ereignissen und außergewöhnlichen Figuren. Auf der anderen Seite gelingt es der Autorin, die dramatischen Ereignisse am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu schildern, die schließlich im Ersten Weltkrieg gipfelten. Der Kampf um das Wahlrecht der Frauen, Hungerstreiks, das Elend der einfachen Bevölkerung – hier bekommt der Leser ein umfassendes Bild dieser Epoche geboten, das mit grandiosen Figuren angereichert ist.
„Das Buch der Kinder“ ist ein Roman, den man so schnell nicht wieder vergessen wird, ein Buch voller Poesie und Eleganz.
