Die sterblich Verliebten

Los enamoramientos

Die sterblich Verliebten

Autor Javier Marías Genre Roman
Verlag S.Fischer
ISBN 978-3-10-047831-3
Übersetzung Susanne Lange Erscheinungsdatum (D) 23.02.12   
Erschienen 2011  Seiten 432

Inhalt

Jeden Morgen frühstückt María vor der Arbeit in einem kleinen Café. Der Höhepunkt ihres Tages, denn hier beobachtet sie heimlich das „perfekte Paar“, eine Frau und einen Mann, die einander offensichtlich in tiefer Liebe verbunden sind. Jeden Morgen beginnen Luisa und Miguel ihren Tag mit einem gemeinsamen Frühstück, ehe jeder seinem Tagwerk nachgeht, und María genießt diese kurzen Augenblicke, die sie mit dem Paar teilt, ohne dass die beiden es ahnen würden. Fast schon hat sie das Gefühl, dass durch das heimliche Teilhaben am Glück der anderen ihre eigene Unzufriedenheit verblasst.

Nachdem María das „perfekte Paar“ einige Zeit nicht mehr im Café gesehen hat, muss sie zu ihrer Bestürzung erfahren, dass Miguel auf tragische und mysteriöse Weise ums Leben kam. María trauert um ihn, fast als hätte sie ihn wirklich persönlich gekannt und spricht eines Tages, ohne lange zu überlegen, seine Witwe an. Durch Luisa lernt sie schließlich Javier kennen, Miguel besten Freund, der sich nun um Luisa kümmert. María verliebt sich Hals über Kopf in Javier, der aber ganz offensichtlich nur Augen für Luisa hat und nur darauf wartet, bis ihr Herz endlich frei für ihn ist. Trotzdem beginnt er eine Affäre mit María, die schließlich Zeugin eines Gesprächs wird, das einen schlimmen Verdacht in ihr weckt und ihre Gefühle für Javier von einem Augenblick zum nächsten völlig verändert…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Hier ist er nun also endlich – der neue Roman des spanischen Autors Javier Marías, der mit seiner unglaublich tiefen Art zu erzählen Welten für seine Leser eröffnet, die in die Abgründe der menschlichen Psyche und in die Weiten des philosophischen Denkens führen. Mit „Die sterblich Verliebten“ legt Marías einen atmosphärisch dichten Roman vor, der sich allmählich zu einem packenden und gleichzeitig ergreifenden Thriller entwickelt, den man kaum noch aus den Händen geben mag. Es sind die verborgenen und streng gehüteten Winkel der Seele seiner Charaktere, die Marías erforscht und nach und nach offen legt. Besonders faszinierend sind hierbei die Beweggründe von María, die eine derartige Einsamkeit in ihrem Leben verspürt, dass sie Trost im Glück zweier ihr völlig Unbekannter sucht. Als einer der beiden stirbt, ist es fast so, als würde auch ihre eigene Welt zusammenbrechen. Eine Protagonistin, die beim Leser die unterschiedlichsten Empfindungen hervorruft und die bis zum Schluss auf gewisse Weise mysteriös bleibt. Doch auch in der Zeichnung seiner anderen Charaktere beweist Marías eindrücklich sein Können – sie erstehen förmlich vor dem geistigen Auge des Lesers und werden mehr und mehr zu lebenden Figuren.

Immer eindringlicher wird im Verlauf der Geschichte die Frage nach Schuld und Sühne. Marías macht deutlich, dass ein Mensch von einer Sekunde zur nächsten ein völlig anderer werden kann, wenn er von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet wird. Dabei spielt er geschickt mit der Frage danach, was tatsächlich geschehen ist. Wie María, wird auch der Leser von Javier manipuliert und weiß am Ende nicht mehr, was er nun glauben soll. Wer am Ende Sieger und wer Verlierer ist, bleibt ganz der Betrachtungsweise des Lesers überlassen.
„Die sterblich Verliebten“ ist ein weiteres Meisterwerk eines großen spanischen Erzählers, das sprachlich und dramaturgisch von Anfang bis Ende zu überzeugen weiß.

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