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Kommende Buchkritiken
Sanditon
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Autor
Jane Austen, Marie Dobbs
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 978-3423126663 Übersetzung Elizabeth Gilbert Erscheinungsdatum (D) unbekannt Erschienen 1975 Seiten 384 |
Inhalt
Die junge Charlotte Heywood lebt mit ihrer Familie beschaulich und etwas abgeschieden auf dem Lande. Als unweit des Familienanwesens die Kutsche von Mr. Parker und seiner Frau havariert, nehmen Entwicklungen ihren Lauf, die Charlottes Leben für immer verändern sollen. Die Parkers laden Charlotte ein, den Sommer mit ihnen in dem idyllischen Badeort Sanditon zu verbringen. Sanditon ist das Projekt von Mr. Parker. Ehrgeizig will er den kleinen Fischerort zum gefragten Kurort und damit Brighton und anderen Seebädern Konkurrenz machen. Unterstützung findet er dabei in der eigensinnigen Lady Denham, die adligen Glanz in die Beschaulichkeit von Sanditon bringt. Tatsächlich finden sich zu Beginn der Saison bald einige interessante Persönlichkeiten in dem Badeort ein und schon bald ist besonders unter den jungen Leuten ein spannender Reigen um Zuneigung und Heiratsabsichten im Gange, der den ganzen Ort gehörig auf Trapp hält.
Buchkritik von Melanie Frommholz
Nur elf Kapitel konnte Jane Austen zwischen Januar und März im Jahre 1817 noch vollenden, bevor es ihr ihre Krankheit unmöglich machte, weiter an „Sanditon“ zu arbeiten. Im Juli 1817 starb Jane Austen. Das Werk blieb, wie „Die Watsons“, unvollendet, bis sich 1975 die Austen-Verehrerin Marie Dobbs ein Herz faste und den Roman zu Ende brachte. Ein begrenzter Kreis von Personen, vorzugweise gespickt mit ein paar Adeligen und reichlich heiratsfähigen und –willigen jungen Frauen und Männern ergeht sich in einem Reigen von angedeuteten Gefühlen und verwirrenden Taten an einem überschaubaren Ort, bis sich am Ende reichlich glückliche Paare gefunden haben. Der Inhalt von Jane Austens Büchern ist schnell erzählt und er findet sich auch in leichter Abwandlung in all ihren Werken. Auch „Sanditon“ bietet diese liebgewonnene Mischung und unterscheidet sich daher nur wenig von Werken wie „Stolz und Vorurteil“ oder „Verstand und Gefühl“. Das besondere an den Geschichten der Engländerin war aber seit jeher nicht der Inhalt der Handlung, sondern die feine Beobachtungsgabe der Autorin, mit der sie die feine englische Gesellschaft regelrecht sezierte und mit spitzer Feder zuweilen recht ironisch analysierte. Wie sie unterhaltsam und amüsant durch Irrungen und Wirrungen der Liebe immer wieder zum Sieg verhalf, ist auch heute noch Garant für vergnügliche Lesestunden. Nicht zuletzt dank vieler spritziger Dialoge. Die Messlatte für Marie Dobbs lag für die Aufgabe der Vollendung also entsprechend hoch. Umso schöner ist es zu erfahren, wie stimmig es ihr gelungen ist, die Geschichte von Charlotte Heywood zu Ende zu bringen. Ganz im Geist von Jane Austen hat sie sich für die durch die Autorin bereits größtenteils eingeführten Figuren eine heitere und abwechslungsreiche Geschichte einfallen lassen, die unterhaltsam auch die Badekultur und die Sitten der Sommerfrische zu Zeiten Austens aufgreift. Sprachlich ist es Dobbs fast durchgängig gelungen, den Erzählstil von Jane Austen weiterzuführen. Nur gegen Ende irritiert ein moderner Ton, der nicht so recht zum Rest der Erzählung passen will. Insgesamt gesehen werden hier dank Marie Dobbs Leistung Jane Austen Fans jedoch bestimmt auf ihre Kosten kommen.
Wissenswertes
Jane Austen konnte vor ihrem Tod von "Sanditon" nur noch elf Kaptiel fertig stellen. Die Autorin Marie Dobbs vollendete den Roman 1975.
