Der Schöpfer

Skaparinn

Der Schöpfer

Autor Gudrún Eva Mínervudóttir Genre Roman
Verlag btb
ISBN 978-3-442-75254-6
Übersetzung Tina Flecken Erscheinungsdatum (D) 22.08.11   
Erschienen 2008  Seiten 304

Inhalt

Es ist an einem Freitag, als in einem Ort in der Nähe von Reykjavík eine Frau und ein Mann aufeinander treffen: Sveinn verdient sein Geld damit, lebensgroße Sexpuppen aus Silikon herzustellen und zu verkaufen. Über dieser Kunst und seinen Geschöpfen hat er beinahe das wirkliche Leben und den Kontakt zu anderen Menschen aus dem Blick verloren. Lóa ist alleinerziehend und hat das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben, ihr Leben mehr und mehr entgleiten zu sehen. Ihre älteste Tochter hat schwere psychische Probleme und Lóa weiß nicht mehr, wie sie der Pubertierenden helfen soll. An diesem schicksalhaften Freitag hat Lóa eine Reifenpanne und bleibt mit ihrem Auto just vor Sveinns Haus liegen. Er hat keine andere Wahl, als der verzweifelten Frau seine Hilfe anzubieten und sie in sein Haus zu bitten. Eine folgenschwere Entscheidung, wie sich schon bald zeigen wird.

Die erschöpfte Lóa lässt sich von Sveinn auf ein Gläschen Wein einladen, aus dem mir nichts dir nichts eine ganze Flasche wird. Lóa, die eigentlich so schnell wie möglich nach Hause zu ihren Kindern möchte, schläft sturzbetrunken auf Sveinns Sofa ein – und entdeckt am nächsten Morgen dessen Puppen. Unversehens packt sie eine davon in ihren Kofferraum und macht sich, noch ehe Sveinn wach wird, auf den Heimweg…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Es ist eine herrlich groteske, aberwitzige und zugleich zutiefst tragische Geschichte, die uns die isländische Autorin Gudrún Eva Mínervudóttir hier erzählt. Sie handelt von zwei scheinbar gescheiterten Existenzen, die sich am Tiefpunkt ihres Lebens befinden und durch einen bloßen Zufall genau den Menschen treffen, der ihnen den Spiegel vorhält. Sveinn und Lóa sind zwei herrlich komische und skurrile Anti-Helden, die man sofort in sein Herz schließen muss. Vor allem der Kunstgriff der Autorin, gleiche Ereignisse jeweils aus der Perspektive dieser beiden Hauptfiguren zu erzählen, erweist sich als eine meisterhafte Idee. Hier zeigt sich nämlich, wie subjektiv die Wahrnehmung ist und zu welchen Missverständnissen diese Tatsache führen kann.

Ein Mann, dessen Universum sich ausschließlich um die Kreation von Sexpuppen aus Silikon dreht, eine Frau, die um das Zusammenhalten ihrer kleinen Welt kämpft – so witzig diese beiden Figuren vordergründig sind, so ernst sind doch die Untertöne dieser Geschichte. Denn sie zeigt auf, wie wir uns immer mehr in unsere ganz individuelle und isolierte Welt zurückziehen, aus der wir immer schlechter wieder herausfinden. In unserer modernen Gesellschaft, die so reich an einer Fülle von Kommunikationsmitteln ist, werden wir immer einsamer und isolierter. Sveinn und Lóa ringen um ein bisschen Nähe, um Wärme und Anerkennung in einer Welt, in der es nur noch um Erfolg, Macht und Prestige geht. Damit ist „Der Schöpfer“ vor allem eines: ein wunderbar realistisches und erschreckend brutales Spiegelbild unserer Gesellschaft. Doch versehen mit wunderbaren Figuren und er so angenehm leichten Sprache dieser Autorin verbindet sich das alles zu einem stimmigen und fesselnden Gesamtbild.

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