Das Lügenhaus

Berlinerpoplene

Das Lügenhaus

Autor Anne B. Ragde Genre Roman
Verlag btb
ISBN 978-3-442-75193-8
Übersetzung Gabriele Haefs Erscheinungsdatum (D) 2007   
Erschienen 2005  Seiten 319

Inhalt

Kurz vor Weihnachten in Trondheim, Norwegen. Die alte Bäuerin Anna liegt nach einem Schlaganfall im Sterben. Ihr ältester Sohn Tor, der den Hof seit Jahren bewirtschaftet und eine Schweinezucht betreibt, ruft die Familie zusammen. Sein Bruder Margido hat seit einigen Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Elternhaus – er hat sich als Bestattungsunternehmer selbständig gemacht. Tors jüngster Bruder Erlend arbeitet als Schaufensterdekorateur und lebt zusammen mit seinem Lebensgefährten in Kopenhagen. Dann gibt es da noch Torunn, Tors uneheliche Tochter, die er nur einmal gesehen hat – auch sie verständigt er vom Schlaganfall der Großmutter.

Auf dem heruntergekommenen und verdreckten Hof der Familie treffen diese unterschiedlichen Menschen nun aufeinander, um Abschied von Anna zu nehmen. Doch während Tor aufrichtig um seine Mutter trauert, ist sie den anderen Familienmitgliedern seltsam fremd geblieben. Und ausgerechnet der unscheinbare und von keinem geliebte Vater offenbart ihnen Annas dunkles Geheimnis, das alles aus den Fugen zu heben droht…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Die norwegische Autorin Anne B. Ragde versteht es von der ersten Seite ihres Romans an, den Leser in den Bann dieser Geschichte zu ziehen. Ruhig wie fallende Schneeflocken präsentiert sich „Das Lügenhaus“, voller Wärme und lebensnaher Charaktere. Obwohl es keine mitreißenden Ereignisse sind, von denen uns die Autorin erzählt, übt dieses Buch eine besondere Faszination auf den Leser aus. Ausführlich und ohne Eile stellt Ragde uns ihre Protagonisten vor, lässt uns teilhaben an dem, was denen am Herzen liegt, worum ihre Gedanken kreisen. Und in keiner Sekunde werden uns die Schilderungen von Tors Schweinezucht, von Margidos Arbeit als Bestattungsunternehmer und Erlends feudalem Leben in Kopenhagen langweilig. Die authentische und überzeugende Schilderung der einzelnen Charaktere bildet die große Stärke dieses norwegischen Romans.

Die Geschichte, die „Das Lügenhaus“ erzählt, berührt und fasziniert nachhaltig. Es geht um lange gehütete Familiengeheimnisse, um Wahrheit und Lüge, um Verständnis und Toleranz und um Schuld und Sühne. Den Mittelpunkt bildet ein alter norwegischer Bauernhof, der zunächst fremd und kalt wirkt, aber nach und nach zum Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse wird.
„Das Lügenhaus“ ist voller Wärme, Zauber und Humor und nimmt einen mit in eine faszinierende und irgendwie fremde Welt.

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