Fremde Schwestern

Fremde Schwestern

Autor Renate Ahrens Genre Roman
Verlag Knaur
ISBN 978-3-426-50806-0
Erscheinungsdatum (D) 01.04.11   Seiten 297

Inhalt

Franka lebt ein durchorganisiertes und wohl geordnetes Leben. Die Drehbuchautorin ist in einer festen Beziehung mit dem Pianisten Jan, behält aber ihre eigene Wohnung, weil sie ihren geregelten und penibel geplanten Alltag braucht. Als eines Morgens Frankas Schwester Lydia mit ihrer siebenjährigen Tochter Merle vor der Tür steht, ist das für Franka ein Schock. Die beiden Schwestern, die in Kindertagen unzertrennlich waren, hatten sich nach einem dramatischen Ereignis miteinander überworfen und seit Jahren keinen Kontakt mehr. Lydia tingelte mit der kleinen Merle durch die Welt, lebte in Indien, Neuseeland und zuletzt in Nepal. Nun macht sie ihrer Schwester deutlich, dass sie beabsichtige, mit Merle eine Weile in Frankas Wohnung unterzukommen. Franka ist entsetzt, doch noch ehe sie Lydia klarmachen kann, dass das völlig ausgeschlossen ist, bricht diese zusammen.

Im Krankenhaus erfährt Franka, dass Lydia schwer krank ist und kaum Chancen auf Heilung bestehen. Widerwillig nimmt Franka daraufhin Merle, die kein Wort mit ihr spricht, mit zu sich in die Wohnung. Während Frankas Leben immer mehr aus dem Ruder läuft, wird sie von Erinnerungen an ihre Kindheit mit Lydia heimgesucht…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Mit „Fremde Schwestern“ schuf die deutsche Autorin Renate Ahrens einen sehr nachdenklichen, leisen und ergreifenden Roman, der einen lange nicht mehr loslassen will. Die Geschichte der beiden so unterschiedlichen Schwestern Lydia und Franka geht vor allem auf die feinen Nuancen des zwischenmenschlichen Miteinanders ein und schildert, wie äußere Umstände eine einstmals so harmonische Beziehung allmählich zermürben können. Dabei ist es vor allem das Schicksal der kleinen Merle, das nachhaltig berührt: ein siebenjähriges Mädchen, das möglicherweise seine Mutter verlieren könnte und zwischen die Fronten der beiden Schwestern gerät. Das Gefühl, Partei für einen Elternteil ergreifen, ja ihn gar beschützen zu müssen, kennen vor allem Scheidungskinder nur zu gut. Renate Ahrens gelingt es hervorragend, die Pein und Seelenqual dieses so widerspenstig wirkenden Mädchens deutlich zu machen und ihr damit die absolute Loyalität des Lesers zu sichern.

Daneben steht die Geschichte der fast schon krankhaft ordentlichen und durchorganisierten Franka, die nie Kinder wollte und nun gezwungen ist, sich um Merle zu kümmern und sich gar mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, ihre Nichte dauerhaft zu sich zu nehmen. Von Anfang an ist klar, dass diese neue Situation Frankas Leben verändern wird – wenn sie bereit ist, die Herausforderung anzunehmen. Auch hier spiegelt die Autorin völlig glaubhaft und überzeugend Frankas innere Zerrissenheit wider, so dass man ihr Handeln als Leser in jeder Sekunde verstehen kann. Es ist ganz eindeutig die authentische Zeichnung der Charaktere, die die Stärke dieses Romans ausmacht. Renate Ahrens beweist hierbei großes Einfühlungsvermögen und psychologisches Gespür.
„Fremde Schwestern“ ist ein fesselnder und in die Tiefe gehender Roman, der sich auf überzeugende Art und Weise mit einer mehr als schwierigen Familiengeschichte auseinandersetzt.

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