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Der stumme Pianist
Il pianista muto
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Autor
Paola Capriolo
Genre Roman
Verlag C.Bertelsmann ISBN 978-3-570-58016-5 Übersetzung Michael von Killisch-Horn Erscheinungsdatum (D) 03.10.11 Erschienen 2009 Seiten 208 |
Inhalt
Die junge Krankenschwester Nadine arbeitet in einer psychiatrischen Klinik in einem englischen Küstenort. Eines Tages findet sie am nahe gelegenen Strand einen verwirrt wirkenden jungen Mann, der einen abwetzten Frack trägt. Da der Mann weder spricht, noch sonst irgendwelche Hinweise auf seine Identität zu finden sind, wird ihm ein Zimmer in der psychiatrischen Klinik zugewiesen. Als man ihm einen Zettel und einen Stift in die Hand gibt, in der Hoffnung, er möge wenigstens seinen Namen aufschreiben, zeichnet der junge Mann ein Klavier. Daraufhin wird er zu einem alten Flügel im Wintergarten der Klinik gebracht, wo er sofort meisterhaft zu spielen beginnt. Jeder, der diesen namenlosen Mann zum ersten Mal spielen hört, ist wie verzaubert von den wundervollen Klängen, die der dem Instrument zu entlocken weiß.
Bald schon befassen sich die Medien landauf, landab mit dem Fall des stummen Pianisten, und zahllose Hinweise auf seine Identität gehen bei der Polizei ein – doch alles vergebens, die Herkunft des jungen Mannes bleibt weiterhin ein Mysterium. Der Psychiater, der die Klinik leitet, tauscht sich mit seinem Vorgänger über dessen Fall aus, denn seine Musik scheint geradezu therapeutische Wirkung auf diverse Patienten zu haben. Jeden Abend versammeln sich einige von ihnen im Wintergarten, um sich von der Musik des Pianisten verzaubern zu lassen. Nadine hingegen interessiert sich mehr dafür, dessen Leben wieder in lebensnahe Bahnen zu lenken…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Im Jahr 2005 fand man an der englischen Küste einen orientierungslosen Mann, der sich dann als Pianist herausstellte. Von dieser Begebenheit ließ sich die italienische Autorin Paola Capriolo inspirieren und erschuf einen anrührenden und wunderschönen Roman. Es ist die tief greifende Wirkung der Musik auf die menschliche Seele, die im Mittelpunkt von Capriolos Erzählung um einen faszinierenden Unbekannten steht. Dabei sind es die unterschiedlichsten Charaktere, deren Seelen sich plötzlich der Musik des Pianisten öffnen. Es gelingt der Autorin auf verblüffende Art und Weise zu beschreiben, wie uralte Blockaden plötzlich aufbrechen können. Vor allem ihre Zeichnung des KZ-Überlebenden Herrn Rosenthal ist derart ergreifend und erschütternd, dass man selber die Qualen seiner Erinnerungen fast mit Händen greifen kann. Anhand der Schilderung seines Albtraums aus dem schon Jahrzehnte zurückliegenden Lageralltag werden der Schrecken und die lebenslange Qual eines Holocaust-Überlebenden so eindringlich wie selten deutlich.
Meisterhaft gelingt es der Autorin, das Rätsel um den stummen Pianisten immer weiter auszubauen, ohne je zu viel zu verraten. Voller Spannung folgt man der Erzählung um einen jungen Mann, der, ohne es zu wollen, das Leben vieler Individuen allein durch seine Musik verändert. Obwohl er die eigentliche Hauptfigur ist, bleibt er stets ein Mysterium, was ihn wie eine einsame Insel unter all jenen wirken lässt, die nur mit sich selbst und ihren Motiven beschäftigt sind.
„Der stumme Pianist“ ist ein nachdenklicher und zugleich aufrüttelnder Roman, der zeigt, dass Musik manchmal mehr bewirken kann, als tausend Worte.
Wissenswertes
"Der stumme Pianist" wird in der Edition Elke Heidenreich bei C.Bertelsmann verlegt.

