Halbes Leben

Halva Liv

Halbes Leben

Autor Mats Strandberg Genre Roman
Verlag C.Bertelsmann
ISBN 978-3-570-10061-5
Übersetzung Gabriele Haefs Erscheinungsdatum (D) 15.08.11   
Erschienen 2009  Seiten 320

Inhalt

Vor sechs Jahren verschwand Jakob, der Freund von Jessica spurlos. Die Fernsehmoderatorin ist jetzt Anfang dreißig und kann Jakob einfach nicht vergessen. Scheinbar endlos drehen sich ihre Gedanken um sein mysteriöses Verschwinden und die letzten Sätze, die er ihr zukommen ließ: „Verzeih mir. Ich kann dir nicht sagen, warum. Such mich nicht. Hass mich nicht.“ Jessica kann einfach nicht anders, als immer und überall nach Jakob zu suchen – und des Öfteren glaubt sie, ihn wirklich irgendwo gesehen zu haben, nur um dann die bittere Gewissheit zu erlangen, dass sie sich getäuscht hat. Ihren Alltag bewältigt Jessica nur noch mit Psychopharmaka wie Zoloft, doch immer mehr gerät ihr Leben aus den Fugen, und immer weniger gelingt es ihr, die Fassade einer überaus erfolgreichen Moderatorin aufrecht zu halten. Auch ihre Beziehung zu Micke erscheint ihr nur noch als eine Farce.

Als ihre Großmutter Viola, die Jessica in letzter Zeit kaum noch besucht hat, überraschend stirbt, fährt sie zur Beerdigung aufs Land, wo Viola mit ihrem Mann Billy und ihrem ledigen Bruder Viktor lebte. Violas Vermächtnis an ihre Enkelin ist ein kleines Büchlein, in dem sie die Geschichte ihres Lebens niedergeschrieben hat. Die Lektüre dieser Aufzeichnungen erweist sich für Jessica als äußerst schmerzhaft, muss sie doch erkennen, dass das Leben ihrer Großeltern auf einer großen Lüge aufgebaut war. Je tiefer Jessica in die Vergangenheit von Viola eintaucht, je klarer wird für sie die Erkenntnis, dass sie ihrem eigenen Leben eine neue Richtung geben muss, um nicht zu zerbrechen. Dennoch oder gerade deshalb kann sie die Suche nach Jakob nicht aufgeben – eine Suche, die am Ende nicht nur ihr eigenes Leben in große Gefahr bringt…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 6 von 5 Bs Mit „Halbes Leben“ beschert uns der schwedische Autor Mats Strandberg einen wunderbaren und grandiosen Roman, der mehr und mehr die gängigen Genre-Grenzen überschreitet. Was als tragische Geschichte einer verzweifelten und vom Leben enttäuschten jungen Frau beginnt, entwickelt sich allmählich zum Roman einer großen Familientragödie und schließlich zu einem packenden Krimi. Strandberg lässt seine Leser nicht mehr aus den Fängen seines packenden und faszinierenden Erzählstils, jongliert mit Worten wie ein Zirkuskünstler und zieht einen in den Sog einer immer komplexer werdenden Geschichte, aus der man am liebsten nicht mehr auftauchen würde. Vor allem die sensible und feinsinnige Figurenzeichnung ist es, mit der der Autor von Anfang an besticht. Es gelingt ihm dabei, eine tragische und zugleich wunderschöne Familiengeschichte von verschiedenen Blickpunkten so zu beleuchten, dass ein stimmiges Gesamtbild entsteht.

„Halbes Leben“ ist ebenso ein Sittengemälde einer noch gar nicht so lange vergangenen Zeit, wie ein Appell für mehr Toleranz für Menschen, die anders leben, als es das gängige Zeitbild vorschreibt. Verwoben wird das mit der ergreifenden Geschichte einer Frau, die nicht bereit ist, ihre große Liebe zu vergessen. Die Wendung, die dieser Roman dann gegen Ende nimmt, ist allerdings so unerwartet und spannend, dass selbst routinierte Vielleser davon überrascht sein dürften.
Mit „Halbes Leben“ beweist uns Mats Strandberg, dass er ein begnadeter und innovativer Autor ist, der den Mut hat, gängige Genreklischees außer Acht zu lassen und eine gänzlich andere Geschichte zu erzählen. Einfach nur großartig!

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